Das letzte 
Tabu auf 
dem Platz

Marius Estel fragt sich, warum Homosexualität im Fußball ein Problem ist. Foto: Privat

Von Marius Estel, 17 Jahre


Seit mehr als zehn Jahren hängt die Regenbogenfahne nun schon bei Heimspielen von Hertha BSC in der Ostkurve und repräsentiert damit den ältesten schwul-lesbischen Fußballfanclub der Bundesliga, die Hertha-Junxx. Die Resonanz auf die Gründung dieser Vereinigung im Jahr 2001 fiel von Seiten der Fangemeinde äußerst positiv aus. Mag Homosexualität unter Fans zwar Akzeptanz gefunden haben, auf dem Spielfeld selbst scheint dies jedoch noch nicht der Fall zu sein.


Trotz eines Fußballverbandes, der sich weltoffen und tolerant gibt und der seine Antirassismus-Kampagnen auf der ganzen Welt mit Trikotaufdrucken und Werbebannern verbreitet, scheint es weiterhin dieses letzte Tabu im Fußball zu geben. Zumindest lässt sich dies vermuten, zieht man in Erwägung, dass das Thema Homosexualität im Profifußball erst seit Kurzem angegangen wird. Im Rahmen der DFB-Kampagne „Geh deinen Weg!“ versicherte unter anderen auch Kanzlerin Merkel, dass sich niemand vor einem Coming-out fürchten sollte.


Doch anscheinend existieren in einer Gesellschaft, in der Homosexualität so normal wie noch nie zuvor erscheint, weiterhin Bereiche, in denen Männlichkeit und Schwulsein nicht zueinanderfinden können. Der Volkssport Nummer eins wird dabei seinem Namen nicht gerecht, wenn sich bestimmte Minderheiten ausgegrenzt fühlen.


Nur: Wer ist schuld daran? Sind es die Medien, die weiterhin so krampfhaft an den alten Bildern von „echten Kerlen“ festhalten? Sind es die Fans, die zum Teil gedankenlos, zum Teil bewusst ihre Homophobie im Stadion ausleben?


Zumindest scheint der Fußballplatz weiterhin kein Ort für alternative Lebensformen zu sein, was mit Sicherheit auch an dem Druck liegt, dem Leistungssportler ausgesetzt sind. Dem Druck, perfekt zu sein, ein echter Kerl zu sein – ein Gedanke, dem Homosexualität zu widersprechen scheint. Dies ist jedoch in keinem Falle so. Gerade der Mut, sich zu seiner Sexualität zu bekennen, erfordert einen echten Kerl.


Wie ist eure Meinung zu Homosexualität im Fußball? Diskutiert mit!

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Kategorien Politik

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