Köpfchen 
statt 
Kopfnoten

Josephine Valeske hat nichts übrig für Ordnung, Fleiß und Betragen. Foto: Privat

Von Josephine Valeske, 15 Jahre


Oma und Opa werden sich freuen, die Enkel werden stöhnen. Das Bildungssystem läuft nicht so richtig, und als Maßnahme soll ein veraltetes Bewertungssystem wieder aus dem Keller hervorgekramt werden: die Kopfnoten. Zumindest, wenn es nach dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag geht. Da Unternehmen große Schwierigkeiten haben, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, sollen es die Noten in Kategorien wie Fleiß, Betragen und Ordnung möglich machen, auch Schüler einzustellen, die zwar schlechtere Noten aber gute Sozialkompetenzen haben.


Das Problem ist, dass diese Kategorien nur bedingt den heutigen Werten entsprechen: Viele heute anerkannte Wissenschaftler waren faul oder aufmüpfig. Gerade heute ist es wichtig, Probleme erkennen und selbstbewusst ansprechen zu können, aber dies könnte vom Lehrer auch schnell als Unfähigkeit zum Unterordnen und schlechtes Benehmen abgestempelt werden. Wichtige Fähigkeiten sind außerdem Zuverlässigkeit, Debattierfähigkeit oder Engagement in schulischen oder sozialen Bereichen. Darüber sagen Kopfnoten nichts aus.


Schüler sind so unterschiedlich, dass sie am besten individuell gefördert und benotet werden sollten. Noten hingegen versuchen, etwas zu vereinheitlichen, was sich kaum vereinheitlichen lässt – persönliche Stärken und Schwächen des Schülers verschwinden hinter einer Zahl . Viel sinnvoller wäre also eine schriftliche Beurteilung der Schüler, ähnlich wie ein Arbeitszeugnis, das besonders die Stärken jedes Einzelnen herausstellt. Wenn also jemand keine Ahnung von Rechtschreibung oder Wirtschaft hat, aber leidenschaftlich gern und gut diskutiert, spiegelt sich das weder in der Deutsch- noch der Politiknote wider. Ein Schüler, der unglaublich kreativ ist, aber nichts über Kunstgeschichte weiß, wird es in Kunst kaum auf eine Zwei schaffen. Und trotzdem sollten gerade solche Fähigkeiten gewürdigt werden.

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Kategorien Politik

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