Klartext: Bunt, 
unfair, 
giftig

Laura Harmsen kauft nur noch Blumen aus nachhaltiger und menschenwürdiger Produktion. Foto: privat

von Laura Harmsen, 20 Jahre


Ein paar rote, rosa oder weiße Nelken und Rosen, gelb-lila Tulpen oder gleich ein kunterbunter Blumenstrauß. Wer von euch hat gestern vergessen, seiner Mutti mit ein paar Blumen eine Freude zu machen? Nun, diejenigen haben mitunter anderen Menschen eine Freude gemacht.


Viele Männer und besonders Frauen müssen leiden, damit wir hierzulande zu jeder Jahreszeit Blumen im Haus haben können. Als viertgrößter Markt für Schnittblumen weltweit importiert Deutschland laut Greenpeace den Großteil der Blumen aus klimagünstigen Ländern wie Kenia, Ecuador, Kolumbien, Äthiopien, Simbabwe oder Tansania. Dabei werden so große Mengen Wasser gebraucht, dass beispiels-weise in Kenia die Süßwasservorkommen knapp werden. Um den hohen Ansprüchen dennoch zu genügen und die Blumen haltbarer zu machen, werden auf den Plantagen oftmals hochgiftige Pflanzenschutzmittel in großen Mengen eingesetzt – zwei- bis dreimal so viel wie hierzulande. Die Pestizide werden nur wenige Meter von den arbeitenden Frauen entfernt versprüht, die weder Masken noch Schutzkleidung tragen. Und einmal im Blut verursachen die Giftstoffe schwere gesundheitliche Probleme.


Die Fabrikanten profitieren vom Geschäft mit den Blumen. Die Arbeiter jedoch berichten von langen -Arbeitstagen unter sehr schlechten Bedingungen, fehlender Rücksichtnahme, etwa auf schwangere Arbeiterinnen, und sexueller Belästigung. Bei 14 Stunden Arbeit an sieben Tagen in der Woche bleiben pro Tag etwa 1,50 Euro für Essen und Kleidung übrig. Es steht außer Frage, dass sich niemand eine Gesundheitsversorgung leisten kann.


Mit all diesen Informationen im Hinterkopf kommen mir die Blumen im Laden gar nicht mehr so schön vor. Würde ich davon jetzt welche kaufen und verschenken, könnte ich das wohl kaum vor mir selbst rechtfertigen. Wer dennoch auf Blumen nicht verzichten will, kann sich an die wenigen Läden halten, die Blumen mit dem FFP- oder dem FLP-Siegel vertreiben. Sie sind frei von Giftrückständen, und es wird für bessere Arbeitsbedingungen und Schutzmaßnahmen gesorgt.


Grundsätzlich finde ich es aber unnötig, abgeschnittene Pflanzen einzufliegen, damit sie ein paar Tage in der Vase vor sich hin vegetieren. Es gibt andere Möglichkeiten, anderen eine Freude zu machen. Man könnte zum Beispiel einen Gutschein verschenken für eine Tour durch die Stadt oder einen Ausflug zum Picknick, den man selbst organisiert. Denn was Mutti sich eigentlich wünscht, ist doch ab und zu Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, statt einen hübschen Strauß in einem vereinsamten Wohnzimmer anzustarren.

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Kategorien Politik

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