Klimaschutz ist lecker



Wie die BUND-Jugend einen Eisladen stürmte, für Rekordumsatz sorgte und so die Umwelt retten will



von Mareike Dottschadis, 19 Jahre


So schön kann Demonstrieren sein: Eine Teilnehmerin des Carrotmobs kühlt sich ab, um die globale Erwärmung zu stoppen. Foto: Bund-Jugend

Verlagsgebäude anzuzünden, sich an Schienen zu ketten oder ähnliche Aktionen zu unternehmen, um einen politischen Standpunkt zu verdeutlichen, war der BUND-Jugend am 11. Juli 2010 etwas zu heiß. Verständlich, bei weit über 30 Grad. Der Berliner Nachwuchs einer der größten Umweltorganisationen Deutschlands rief an diesem Sonntag zwar auch zu einem Massenauflauf auf, allerdings zu einem der besonderen Art: zum Eisessen. Beim mittlerweile vierten Carrotmob der BUND-Jugend sollte soviel Eis gegessen werden, dass die Besitzer der Diele von den Einnahmen ihren Laden umweltfreundlich aufrüsten können.



„Das Gute an einem Carrotmob ist, dass beide Seiten aufeinander zugehen“, erklärt Leon Ginzel, der gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert und Mitorganisator des Events ist. „Statt die Umweltsünder-Unternehmen zu boykottieren, mobben wir den Laden, schaffen Umsatz, und die Besitzer investieren einen Teil davon in die Umwelt. Es ist eine Win-Win-Situation.


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Beim Carrotmob, der seinen Namen von der englischen Redewendung „carrot and stick“ – „Zuckerbrot und Peitsche“ – hat, werden über Facebook, Twitter, E-Mailverteiler und andere Web 2.0-Kanäle so viele Käufer wie möglich an einem Ort zusammengerufen. Dort kaufen sie dann, was sie ohnehin irgendwo erwerben würden, allerdings zugunsten des Klimaschutzes. Im April dieses Jahres hatte die BUND-Jugend 20 Eisläden in Berlin befragt, wie viel Prozent des Tagesumsatzes sie in klimagerechtere Anlagen investieren würden. Die Eisdiele „Vanille & Co.“ in Halensee bot am meisten: 100 Prozent. Sie war also schon Gewinnerin, bevor sie den hungrigen Demonstranten am Sonntag mit insgesamt 50 Litern Eis die Bäuche füllte. Rekordumsatz – drei Mal so viele Kunden wie sonst kamen in den Laden.



„Der Zeitpunkt war günstig“, sagt Gisela Trögele, eine der beiden Inhaberinnen der Eisdiele. „Wir wollten ohnehin in unsere Energieeffizienz investieren. Nun bekommen wir eine Energieberatung dazu.“ Und so kommt in ihrem Laden bald nur noch Ökostrom aus der Steckdose, und Kühlschränke und Beleuchtung werden auf dem neuesten klimafreundlichen Stand sein.



„Eis für klimakorrekte Kühlsysteme“, lobt auch Christoph und reckt den Daumen in die Höhe. Seine Freundin Katharina und er seien den Aufrufen der BUND-Jugend vor allem gefolgt, weil sie Eis mögen. „Und natürlich weil es eine gute Sache ist“, ergänzt Katharina und wendet sich wieder genüsslich ihrem Möhren-Orangen-Eis zu, das extra für diesen Tag kreiert worden war.


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Kategorien Politik Umwelt

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