Eine Gruppe von Mädchen auf einer Bühne

Kein Geld, keine Stars – kein Problem

Die Low-Budget-Produktion „Zeit läuft“ ist ein Jugendprojekt, das sich wahrlich nicht verstecken muss.

Der Saal des Kinos International ist rappelvoll – mit Kindern und Jugendlichen. Einige wippen voller Spannung auf ihren Kinosesseln. Kein Wunder, denn immerhin wird an diesem Sonntag im Januar nicht irgendein Film gezeigt, nein, es ist ihre ganz eigene Geschichte.

Und so ist es fast unnötig, dass zu Beginn Initiator, Drehbuchautor und Regisseur Matthias Kubusch auf die Bühne tritt – diese luftig-leichte Sommergeschichte bedarf keineswegs einer Einleitung. Man folgt den Freunden Süleyman, Felix, Tabea und Xenia durch ihr Leben mit Schule, Freunden und natürlich dem großen Thema Verliebtsein. Schnell kann man sich mit den Gefühlszuständen der Figuren identifizieren: die ersten Schmetterlinge im Bauch, Streitereien mit den begriffsstutzigen Eltern, aber auch die Angst vor dem Tod wird behandelt, denn Felix leidet an Leukämie und kämpft um sein Leben.

Die Darsteller spielen auch im echten Leben zusammen Theater

Was die Kinder am meisten verbindet, ist die gemeinsame Theatergruppe. Genau hier liegt die Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion, denn in dieser Theatergruppe spielen die Schauspieler auch im echten Leben mit. Das Theater „Meine Bühne“ besteht seit 25 Jahren unter der Leitung von Matthias Kubusch und lässt Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 20 Jahren sich in verschiedensten Projekten schauspielerisch austoben. Jetzt auch im Film. Kubusch schrieb zwar das Drehbuch, doch wie Schauspielerin Fee Schnittker betont, konnten die Schauspieler jederzeit Ideen einbringen. „Und dadurch, dass Matthias Kubusch uns alle bereits sehr lange Zeit kannte, hat er viel von unseren eigenen Verhaltensweisen eingebaut.“

Gedreht wurde im Sommer 2018 in vier Ferienblöcken, insgesamt 17 Drehtage, ein ganz schön knackiges Programm. Doch nicht nur die kurze Drehphasen waren für die Bühnenschauspieler ungewohnt, auch ihre Arbeitsweise mussten sie grundlegend umstellen. „Auf der Bühne spielt man automatisch viel größer und theatralischer, weil es darum geht, dass das Publikum deine Emotionen erkennt. Beim Film kann man viel mehr mit kleinen Bewegungen arbeiten, die dann schon viel ausmachen, weil sie durch filmtechnische Mittel gezielter gesteuert werden können“, erklärt Fee.

Ermöglicht wurde das Projekt vor allem durch den starken Willen aller Beteiligten und den Schwung des Einfach-mal-Loslegens. So entstand mit geringen finanziellen Mitteln und einer kleinen Filmcrew ein großer, sehenswerter Film, der nun versucht, über eine Festivaltour in die Kinos zu kommen.

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Kategorien Film & Fernsehen Medien Theater

Der kuriose Briefmarkensammler in der Bibliothek oder ein mal zu Späßen aufgelegter Busfahrer – es sind die kleinen wunderbar skurrilen Alltagsgeschichten unserer Großstadt, die ich mit meinen Worten einfangen will. Ich, eine waschechte 18-jährige Berlinerin, die neben dem geschriebenen Wort auch ein großer Fan von guter Musik und Woody-Allen-Filmen ist. Schreiben bedeutet für mich reflektieren, verstehen und sich einfach mal fallen zu lassen, ganz nach Frau Lindgrens Devise: „Man muss so schreiben, dass es für einen selbst eine Freude ist, sonst kann es auch für andere keine Freude sein.“