Instagram ohne Likes
Bei Instagram sind Likes Währung.

Instagram ohne Likes?

Instagram testet gerade eine Version, bei der Likes nicht mehr angezeigt werden. Was sich dadurch ändern könnte.

Von Isabel Thurm, 17 Jahre

Instagram testet gerade eine Version, bei der Likes nicht mehr angezeigt werden. Was sich dadurch ändern könnte.

Heute

Hallo, ich heiße Max. Und du ?
– Hi, ich bin Anna.
Nice! Wie heißt du auf Insta?
– An_na. , und du?
Max_. .
– Ok, ich schreib dich mal an. Tschüss!
Passt. Bye!
(Gesprächssituation zwischen zwei fiktiven, sich unbekannten Jugendlichen)

Etwas später…

Anna schaut sich auf Instagram Max‘ Beiträge an.
Zuerst ist sie begeistert.
Dann sieht sie, dass er „nur“ 235 Abonnenten hat und sein beliebtestes Bild bloß von 56 Personen geliked wurde.
Anna legt ihr Handy weg.
Für sie ist es unnötig geworden, ihn anzuschreiben.
Max ist ihr zu unbeliebt.
Sie möchte bei ihren Freunden nicht so dastehen, als ob sie sich mit Loosern abgibt.

Bald?

In Kanada wird derzeit getestet, wie ein Instagram ohne Likes bei den Usern ankommt. Das Ziel dabei ist es herauszufinden, ob und wie sich das Verhalten der Nutzer verändert. Das ganze funktioniert folgendermaßen: Nur die Urheber der Bilder können einsehen, wie viele Likes sie für ihre einzelnen Posts erhalten haben. Dadurch erhofft sich Instagram eine Verbesserung seines Rufes. Denn eine 2017 in Großbritannien publizierte Studie zeigt, dass die App als schlechteste der fünf größten Sozialen Medien eingestuft wird was negativen Einfluss angeht. Viele User fühlen sich unter Druck gesetzt, möglichst viele Likes zu ergattern, die in den sozialen Medien als Währung gelten.

Insbesondere Bloggern beschweren sich oft, sinkende Followerzahlen seien dem Instagram-Algorithmus geschuldet. Anbieter von Bots profitieren immens von der Like-Sucht der User. Zur Erklärung: Wenn man sich Bots kauft, bezahlt man diese mit echtem Geld und erhält im Gegenzug Likes und Follower. Facebook unterscheidet bei der Reichweite in drei Bereiche: die Beitragsreichweite (bezahlte und unbezahlte Beiträge), die bezahlte Reichweite (nur bezahlte Beiträge) und die organische Reichweite (nur unbezahlte Beiträge). Auffällig ist, dass bei Instagram die organische Reichweite fast nicht existent ist.

Der Testlauf ist also durchaus zu befürworten. Vielleicht hat das Experiment Erfolg und man hört zukünftig nur noch vereinzelt, dass User unter Cybermobbing-Attacken beispielsweise aufgrund von zu wenigen Likes oder Followern leiden. Dazu braucht es aber mehr, als unsichtbare Likes. Nämlich eine grundlegende Änderung der Botschaft, die Instagram vermitteln sollte: nicht möglichst beliebt zu sein sondern mehr Konzentration auf Inhalt und die Community zu legen.

Kategorien Instagram Medien Social Media

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