Das Gewinnerteam der
Die Gewinner und ihr Preis (von links nach rechts): Tobias Hermann (Technical Artist), John Kees (Game System Design), Alexander Sartig (Environment Art), Julietta Hofmann (Character Design), Julian Wotjak (Environment Art) und Jesco von Puttkammer (Concept Design).

„Wir arbeiten schon an neuen Spielen“

Die Auszeichnung für „Elizabeth“ beim Deutschen Computerspielpreis soll nur der Anfang gewesen sein. Die Gewinner im Interview

Im Zentrum des Deutschen Computerspielpreises stehen jedes Jahr Spielkonzepte, die besonders innovativ, unterhaltsam, künstlerisch oder pädagogisch wertvoll sind. Am vergangenen Dienstag wurde in Berlin ein Team von sechs „Game Design“-Studierenden der HTW Berlin mit dem 1. Preis in der Kategorie „Nachwuchspreis – Konzept“ ausgezeichnet. Wir haben sie daraufhin zum Interview getroffen.

Worum geht es in eurem Game „Elizabeth“?
Julietta Hofmann: „Elizabeth“ spielt im Chicago der 1930er-Jahre in der Wohnung des Ehepaares Evelyn und Edward. Der Spieler muss in unserem Virtual-Reality-Game durch das Aufsammeln und Kombinieren von Gegenständen, die allesamt positive oder negative Erinnerungen hervorrufen, sobald man sie einem der Eheleute zeigt, herausfinden, was zuvor passiert ist. Dabei ist das Hauptziel des Spiels, die Missverständnisse zwischen dem Ehepaar aufzuklären, es zu versöhnen und die Konfliktsituation unter anderem durch Empathie aufzulösen.

Jesco von Puttkammer: Das Besondere an „Elizabeth“ ist, dass nicht der Spieler als Held im Mittelpunkt steht, sondern die Geschichte der Familie. Es geht um den Verlust einer Tochter, um Schuld und Schuldzuweisungen und schließlich auch um Trauerbewältigung. Das Ganze spielt in einer Zeit, von der uns durch Film und Fernsehen meist nur die glorifizierten Gangsterporträts bekannt sind. Wir wollten die Schattenseiten dieser Gangsterszene zeigen und uns mit der Frage auseinandersetzen: Was passiert mit einer normalen Familie, die durch Gangrivalitäten ihre Tochter verliert?

Was habt ihr mit den 35.000 Euro vor, die ihr gewonnen habt, und wie geht es mit „Elizabeth“ weiter?
Tobias Hermann: Ob und wie es speziell mit unserem Spiel „Elizabeth“ weitergehen soll, haben wir noch nicht entschieden. Gerade hat auch ein neues Semester für uns begonnen und da wir alle noch unser Studium Game Design (wie das aussieht, lest ihr hier) beenden wollen, arbeiten wir schon wieder an neuen Spielen und Projekten in der Uni.

Das Team will ein eigenes Studio gründen

John Kees: Trotzdem würden wir das Preisgeld gerne in die Gründung eines eigenen Studios investieren, in dem wir nach unserem Studium an weiteren neuen Ideen und Konzepten für Spiele arbeiten können, die gesellschaftlich relevante Themen behandeln und nicht bloß unterhalten. Gerne möchten wir weiterhin Spiele konzipieren, die zum Nachdenken anregen – ein Anfang ist uns mit „Elizabeth“ gelungen, doch es sollen noch viele weitere folgen.

Und wie kam euch diese Idee?
Alexander Sartig: Während unseres Studiums haben wir immer wieder Projektkurse, in denen wir in Teams eigene Spielkonzepte entwickeln. In diesem Fall wurde uns nur das Setting „Chicago der 1930er“ vorgegeben – den Rest haben wir innerhalb von dreieinhalb Monaten, mit der Unterstützung und Beratung unserer Profs, selbst entwickelt. Bei einer so kleinen Gruppe haben eigentlich alle an allem gemeinsam gearbeitet, doch hatte auch jeder seinen eigenen Schwerpunkt. Dass es ein Virtual-Reality-Game werden soll, wurde uns nicht vorgeben. Stattdessen haben wir uns dieses Medium ausgesucht, da es einfach für jeden zu bedienen und daher auch altersunabhängig ist.

Es wäre toll, nicht immer wieder veraltete Gamer-Klischees hören zu müssen.

Julian Wotjak, Game-Design-Student

Das klingt nach einer Menge Arbeit! Was würdet ihr euch als Nachwuchstalente für die deutsche Computerspielbranche wünschen?
Julian Wotjak: Es steckt viel Zeit und Herzblut in jedem anspruchsvollen Spiel, weshalb wir uns wünschen würden, dass die Game-Branche von Politik und Gesellschaft endlich ernst genommen wird. Auch wäre es toll, nicht immer wieder veraltete Klischees hören zu müssen. Für die Zukunft würden wir uns daher wünschen, dass kein Game Designer mehr auf die Frage antworten muss, ob man denn mit solchem Scheiß wirklich Geld verdienen kann.

Kategorien Medien

Wenn ich, 22, eine Top 5-Liste mit Sätzen, die ich in den vergangenen drei Jahren am häufigsten gehört habe, aufstellen würde, wäre „Was wird man denn so nach einem Geschichtsstudium?“ ganz weit oben vertreten. Zum Glück habe ich mittlerweile eine Antwort darauf gefunden: Journalistin. Darauf gekommen bin ich durch das Lesen von Harald Martensteins Artikeln, der selber Geschichte studiert hat. Von ihm habe ich auch meinen neuen Zukunftsplan: einfach immer schreiben. Genau das mache ich jetzt hier bei Spreewild, nachdem mir mein Praktikum in der Jugendredaktion so gut gefallen hat.