Die Pokémons haben den Evolutionssprung aufs Smartphone geschafft. Super Marion ist chancenlos

Kein menschlicher Laut, nur blecherner Videospiel-Sound; Hunderte Schüler starren konzentriert auf die Displays der Geräte in ihren Händen; alle sind damit beschäftigt, Pokémon zu jagen, um sie anschließend aufeinander loszulassen: Natürlich, es handelt sich um eine ganz alltägliche Schulhof­szene … irgendwann in den späten 1990er- und den 2000er-Jahren.

Die Geräte, die den Lärm machten, nannten sich damals Game­boys, die älteren Modelle hatten ein Schwarz-Weiß-Display, und die Spiele, auf die sich alle konzentrierten, hatten ähnlich fantasie­volle Namen wie ihre Haupt­figuren, die Pokémon. Sie hießen Pokémon Rote Edition, Pokémon Blaue Edition oder auch Pokémon Blattgrüne Edition. Der aktuelle Hype um Pokémon Go wird zum Déjà-vu, wenn man sich an diese Spiele erinnert, die nicht weniger Suchtpotenzial hatten und deshalb auch bis heute nach Super Mario und Grand Theft Auto als erfolgreichste Videospielserie aller Zeiten gelten.

Dass es ausgerechnet die Pokémons sind, die den Evolutions-Sprung aufs Smartphone schaffen, hätte eigentlich niemanden überraschen dürfen. Schließlich war es schon immer eines der wesentlichen Merkmale dieser Wesen, sich mittels einer Verwandlung weiterzuentwickeln. Aus Glutexo wurde irgendwann Glurak, aus Schiggy Schillok, und jetzt ist aus dem Gameboy das Smartphone geworden. Früher hatten die Orte im Spiel Namen wie Alabastia und Kanto, nun heißen sie Wilmersdorf und Kreuzberg.

Die meisten Pokémon haben üb­rigens mehrere Entwicklungsstufen. Die Evolution ist also möglicherweise noch nicht zu Ende. (yur.)