Tänzerin während Aufführung
Die Knochenbrecher Crew ist aus dem Reinickendorfer Inklusionsprojekt für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung entstanden.

Tanzen gegen die Abschiebung

Beim diesjährigen Tanztreffen der Jugend, das noch bis Freitag stattfindet, performen drei junge Tänzerinnen für Inklusion und gegen Abschiebung.

Hacke, Spitze, Sprung und Freeze: Im sogenannten Toprock oder Radschlag fegen Marsilda (14), Eda (11) und Yasmina (10) über den Boden, im Hintergrund laufen Hip-Hop-Beats. Am Samstag präsentierten sie, die Knochenbrecher Crew, ihre ausverkaufte Performance „Gold“ im Rahmen des Tanztreffens der Jugend.
Seit 2014 veranstalten die Berliner Festspiele das Tanztreffen. Ihm vorangegangen ist ein bundesweiter Wettbewerb, für den sich junge Tanzensembles, die unter Anleitung selbstständig Stücke zu den ihnen relevanten Themen erarbeitet haben, bewerben konnten. Die Sieger dürfen am Tanztreffen teilnehmen und erhalten die Möglichkeit, ihre Stücke auf der großen Bühne in Berlin vor Publikum zu präsentieren. 52 Tanzstücke wurden dieses Jahr eingereicht, sechs Teams dürfen nun ihre Shows vorführen. Drei davon kommen aus Berlin: Neben der Knochenbrecher Crew gewannen auch noch die Academy Bühnenkunstschule und die Kids Company von Sasha Waltz.

Bei der Kreation neuer Stücke bestimmen alle mit

Ihr Stück „Gold“ haben Marsilda, Eda und Yasmina unter der künstlerischen Leitung von Viola Barner erarbeitet. Dabei ist der Prozess der Kreation eines neuen Stückes ein durch und durch demokratisches Unterfangen: „Manchmal haben wir verschiedene Ideen und verändern unsere Stücke. Aber nur, wenn alle von uns zustimmen“, betont die 14-jährige Marsilda.
Die persönliche Lebenswelt der Tänzerinnen steht dabei immer im Fokus. So ist das Thema der Abschiebung oft präsent während der Kreation neuer Stücke. „Drei Kinder aus unserer Crew wurden abgeschoben. Es soll aufhören, dass Familien abgeschoben werden aus Deutschland, denn in ihren Heimatländern ist es schlimm, sie haben nichts und hier können sie eine Wohnung haben und gut leben“, erklärt uns Yasmina, die jüngste Tänzerin der Crew.

Wir wollen beweisen, dass wir hierhin, nach Deutschland, gehören, und dass Berlin alles hat, was wir brauchen.

Marsilda (14), Tänzerin der Knochenbrecher Crew


Die drei Breakdancerinnen haben ganz konkrete Vorstellungen davon, was sie ihrem Publikum durch ihre Stücke vermitteln möchten. So erklärt Marsilda, der mit ihrer Familie im Frühjahr selbst noch die Abschiebung drohte: „Wir wollen beweisen, dass wir hierhin, nach Deutschland, gehören, und dass Berlin alles hat, was wir brauchen. Unsere Träume sind hier und unsere Hobbys.“ Yasmina ergänzt: „Und in unseren Ländern können wir unsere Träume nicht wahr machen. In meinem Land könnte ich nicht Anwältin werden – hier schon.“
Auch Eda hat schon konkrete Vorstellungen, was sie später einmal werden möchte: „Kardiologin!“, ruft die Elfjährige wie aus der Pistole geschossen. Marsilda würde gerne Schauspielerin am Theater werden. „Und wenn das nicht klappt, möchte ich bei der Kriminalpolizei anfangen.“

Verbunden durch mehr als Breakdance

Doch nicht nur ihr gemeinsames Hobby Breakdance verbindet die drei. Kennengelernt haben sie sich in einem Berliner Flüchtlingsheim, bis es dort einen Unfall gab und die drei Freundinnen umziehen mussten, berichtet Marsilda. „Wir sind viele Personen und es war schwer, ein Haus zu finden. Wir wohnten vorher im Heim für sieben Jahre und wir sind zehn Personen, denn ich habe sieben Geschwister“, ergänzt Yasmina. Ob sie denn noch einen Traum oder Wunsch für die Zukunft hätten? In diesem Punkt ist sich die Gruppe auf jeden Fall schon einig: „Weltmeister werden!“

Das Tanztreffen läuft noch bis Freitag. Das Programm und Karten gibt es hier.

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Wenn ich, 22, eine Top 5-Liste mit Sätzen, die ich in den vergangenen drei Jahren am häufigsten gehört habe, aufstellen würde, wäre „Was wird man denn so nach einem Geschichtsstudium?“ ganz weit oben vertreten. Zum Glück habe ich mittlerweile eine Antwort darauf gefunden: Journalistin. Darauf gekommen bin ich durch das Lesen von Harald Martensteins Artikeln, der selber Geschichte studiert hat. Von ihm habe ich auch meinen neuen Zukunftsplan: einfach immer schreiben. Genau das mache ich jetzt hier bei Spreewild, nachdem mir mein Praktikum in der Jugendredaktion so gut gefallen hat.

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