Für Geflüchtete ist Freiheit nicht gleich Freiheit

Für mache inexistent, für andere höchstes Ziel. Syrer zeigen auf der Bühne, was Freiheit für sie bedeutet.

Voller Äste ist der Linoleumboden des Proberaums. Ein Mann tritt in das Chaos, schießt sie auseinander und versucht, verloren in dieser zusammengebrochenen Welt, Antworten zu finden. Der kleine Raum der Ufa-Fabrik hat sich in eine düstere Nacht verwandelt und die Schauspieler werden von Erinnerungen heimgesucht. „Ich weiß nicht, wer ich bin.“ Mit diesen Worten beginnt die Reise in das Innenleben – Sehnsüchte, Ängste, Gefangensein und Freiheit – der acht syrischen Darstellerinnen und Darsteller.

„Freiheit“, so heißt das Stück, welches hier 2018 in Tempelhof unter künstlerischer Leitung von Magdalena Scharler entstand und vom 21. bis zum 24. Februar im Theater im Delphi aufgeführt wird. Es dreht sich um die große Frage, was Freiheit ist und unter welchen Bedingungen sie überhaupt bestehen kann. Die Antworten sind teilweise so verschieden wie die Lebensgeschichten der Schauspieler.

Hier auf der Bühne zu stehen, damit erfüllt sich für Zakaria ein Traum. 1994 in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Syrien geboren, kennt er sich nicht ohne den Flüchtlingsstatus. In Syrien habe er sich wie ein Sklave des Regimes gefühlt, sagt er. Unfrei. Die Sicherheit in Deutschland erschien ihm lange Zeit als hoffnungsvolle Fata Morgana. Besonders Frauen hätten hier die Chance, sich von alten Normen zu lösen. „Ich bin so beeindruckt davon, was Frauen schaffen können, wenn sie frei sind“, sagt Zakaria.

Nicht alle fühlen sich völlig frei

Jangy ist das jüngste Ensemblemitglied der 2015 auf Initiative Geflüchteter gegründeten Gruppe syn:format. Ihr Ziel: Geflüchteten eine Stimme zu geben. Mittlerweile haben alle hier eine Art zweite Familie gefunden, sagt Jangy, der von den anderen liebevoll „kleiner Engel“ genannt wird. Letztes Jahr nahm er für syn:format den #Farbebekennen-Award des Berliner Senats entgegen. Auf der Bühne zeigt er sich betont optimistisch, verkündet: „Nicht das Leben macht dich glücklich, du machst das Leben glücklich!“, auch wenn er hinter den Kulissen gerne alleine ist, um nachzudenken.

Aber was ist das denn jetzt eigentlich, Freiheit? „Die Würde, mit der du geboren wurdest, ist deine Freiheit. Ohne Würde bist du nicht frei und ohne Freiheit hast du keine Würde“, meint Zakaria. Er wünscht sich eine Freiheit, die unabhängig von Grenzen und Nationalitäten existiert. Als palästinensischer Muslim in einem nicht-muslimischen Land fühle er sich hier oft eingeschränkt. Jangy sieht die Freiheit schon jetzt von Pässen und Systemen losgelöst. Eines zeigt das Stück deutlich: Für Freiheit gibt es keine Lexikondefinition. Von Ria Lüth, 19 Jahre

Kategorien Theater

Auf spreewild.de berichten wir über alles, was uns bewegt – über Schule, Politik und Freizeit, Liebesglück und -kummer oder den Schlamassel mit der eigenen Zukunft. Wir bieten Hintergrundgeschichten zu den Artikeln, die wir auf der Jugendseite veröffentlicht haben, stellen Fotos und Videos ins Netz. Dazu gibt es die Fotoserien der Jugendredaktion, Musik-, Buch- und Filmbesprechungen sowie all die Fragen, die uns die Prominenten jede Woche stellen.