Wie regeln wir das Morgen? Eine alte Frage, die beim Festival „Verlorene Illusionen“ in Spandau neu (dar-)gestellt wird.

Unsere Welt hat sich verändert. Sie ist von der Fläche her nicht größer geworden, es fühlt sich aber so an. Globalisierung und technischer Fortschritt haben das Zusammenleben geprägt. Vieles ist anders, und trotzdem leben wir mit denselben Gesellschaftsverträgen, die vor 70 Jahren – zu einer völlig anderen Zeit – geschlossen wurden.

Wie sich unser gesellschaftliches Zusammenleben zukünftig gestalten soll, behandelt das Festival „Verlorene Illusionen“ in Spandau. Die Jugendtheaterwerkstatt Spandau hat eine Veranstaltungsreihe entwickelt, die sich durch Performances, Workshops und Diskussionsrunden mit dieser Frage befasst.

Eine Performance auf diesem Festivals heißt „Das Leben ist Traum“.

Schon 1635 stellte sich der spanische Poet Calderón die Fragen nach Machtstrukturen und dem Erbe der nachfolgenden Generation. Diese Fragen nimmt der Regisseur Carlos Manuel nun im Rahmen des Festivals wieder auf und zwar auf eine ganz neue Weise.

Nicht eine Gruppe führt das Stück auf, sondern zwei – aus zwei Nationen

Nicht eine Gruppe führt das Stück auf, sondern zwei. Und nicht beide Gruppen sprechen deutsch, denn die zweite Gruppe kommt aus Angola – dort spricht man portugiesisch. Es wurde auch nicht gemeinsam geprobt, denn für die Jugendlichen war es kein leichtes Unterfangen, überhaupt für die Aufführung nach Deutschland reisen zu dürfen. Und trotzdem: Das Stück war ein voller Erfolg. Die Verständigung kein Problem. Und das ist es, was unsere Generation ausmacht.

„Als wir mit dem Stück begonnen haben, sind wir unter der Prämisse nach Afrika gegangen, dass wir keine Arbeit mit Institutionen der Regierung wollen. Wir wollten mit Jugendlichen arbeiten, deren Aussagen frei und lebendig sind“, sagt Regisseur Carlos Manuel. Und Angola sei der passende Ort dafür gewesen. „Angola und Deutschland haben einiges gemeinsam. Mit ‘Das Leben ist Traum’ haben wir eine Fabel gefunden, die auf beide Situationen passt.“

In dem Stück geht es um einen König, der in den Sternen liest, dass sein Sohn später ein Tyrann sein wird, ihn deshalb in den Kerker sperrt und nichts von seiner Herkunft erahnen lässt. Als der König dann alt wird, macht er sich Sorgen um sein Erbe und lässt seinen Sohn aus dem Kerker. Dieser wird tatsächlich, wie vorhergesagt, ein Tyrann und kurzerhand wieder in den Kerker gesperrt. Nachdem er von Rebellen befreit wird, erwarten alle den Tyrannen, doch der Junge hat aus seinen Fehlern gelernt und wird ein gerechter Herrscher.

Unsere Generation wird regieren – nur sagt uns keiner wie

„Diese Generation“, Carlos Manuel zeigt auf die jungen Schauspieler, „soll regieren. Aber keiner zeigt ihnen, wie sie regieren sollen. Das Stück stellt sich auch die Frage, wer für was erzogen wird. Die Lebenserwartung ist an die Klassengesellschaft angepasst. Dabei gibt es so viel, dass man nicht wissen, nicht kennen kann.“ Jugendliche sollen für alles offen sein, was es gibt, und sich nicht dem Schicksal ihrer Vorfahren ergeben.

Denn wir sind es, die in der Zukunft mit den Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, leben müssen.

 

„Das Leben ist Traum“ wird in dieser Woche noch einmal am Freitag und einmal am Sonntag aufgeführt.

Beitragsbild: www.patrykwitt.com