In dem Theaterstück „Das wird man doch sagen dürfen!“ geht es um die richtige Wortwahl und ein bisschen Liebe. Die genaue Handlung ist bei jeder Vorführung eine andere …

von Julia Sauer, 22 Jahre

Kanake! Darf man das sagen? Schließlich nennen sich junge Migranten auch selbst so! Und Schwarzer? Ist das okay? Und andersrum: Darf man jemanden Nazi nennen, der eine rechte politische Meinung hat? Wieso werden eigentlich Flüchtlinge dafür verantwortlich gemacht, dass Wohnungen preiswerter werden (durch den Mietverfall von Wohnungen in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften, so die Argumentation) und gleichzeitig teurer (Flüchtlinge würden Wohnraum wegnehmen, wodurch die Preise für übrigen Wohnraum steigen)?

„Das wird man doch sagen dürfen!“, ein neues Theaterstück des Theaters Strahl in Berlin, liefert keine vorgefertigten Lösungen. Antworten kommen vom Publikum durch Ja-Nein-Abstimmungskarten. Deswegen bringt jede Vorführung neue Resultate. Und die Zeit vergeht wie im Flug.

Doch nicht nur Mitdenken steht auf der Agenda, sondern auch Mitmachen. Zu einer Party bei Mogli, einem Mitschüler der vier Hauptfiguren, sind Schauspieler und Zuschauer eingeladen. Mogli heißt übrigens so, weil er dunkle Haare hat und unter Wölfen aufgewachsen ist. Er kommt aus Brandenburg! So mancher Lacher ist auch dabei.

Widersprüche gesucht

Das Schauspielern übernehmen Mila, Paul, Hakan und Kappi, angeleitet von der Zuschauer-Regisseur-Gemeinschaft, die übrigens sehr jung ist. Was auch gewollt ist. „Wir wollen den Jugendlichen keine Meinung vorgeben. Das Theater soll ein Ort sein, wo sie die Meinungen durch die Rollen austesten können“, erklärt Lisa Brinckmann alias Mila. Selten seien dann auch Jugendliche dabei, die rechte Positionen haben.

Kontroverse Debatten in und um die Theaterbühne sind ausdrücklich gewollt. „Wir haben probiert, nach Widersprüchen zu suchen. Ich glaube, das Klischee vom dummen Rechtsradikalen mit einem IQ von 70 macht es einfach zu sagen, das sind ja eh die Deppen. Es ist überholt und zu einfach“, sagt Max Radestock. Er spielt die schwierige Rolle des Kappi: einen 15-jährigen Klassenbesten mit rechtsradikalen Gedanken.

Wie findet man in eine solche Rolle rein? „Wir haben uns mit verschiedenen rechten Bewegungen beschäftigt, zum Beispiel mit den Identitären, die sehr studentisch und gebildet daherkommen, aber auch extrem rechts und national sind. Bei deren Sprech haben wir uns bedient“, erklärt Radestock. Das kommt bei den meisten Jugendlichen nicht besonders gut an, was Radestock aber nicht schlimm findet: „Coolerweise erfährt man von den Jugendlichen große Ablehnung als Kappi. Einmal wurde ich sogar rausgeschickt.“

Hinterfragen ist das A und O

Das Stück regt dazu an, gefestigte Positionen immer wieder zu hinterfragen und nach Fakten und Argumenten zu suchen. Denn die Grenze zwischen Argument und Meinung ist oft fließend. Ein bisschen Liebe ist übrigens auch dabei. Mila und Paul fühlen sich zueinander hingezogen. Hach, wie schön.

 

Aktuelle Informationen zu den Spielzeiten gibt es auf Theater-strahl.de. Die nächste Aufführung von „Das wird man doch sagen dürfen!“ ist am 18. September.

 

Beitragsbild: Jörg Metzner