Emily Roberts
Gerade tourt Emily Roberts mit James Blunt durch Europa.
Interview

Emily Roberts: „Ich bin mehr als die mit dem Dschungelcamp-Song“

Mit „In this together“ wurde die 26-jährige Emily Roberts Anfang dieses Jahres schlagartig bekannt. Im Interview erzählt uns die sympathische Hamburgerin wie es dazu kam, warum das „Dschungelcamp“-Image ihr schaden könnte und wie sie mit ihrer ADS-Erkrankung klarkommt.

Von Maleen Harten

Dein Song „In this together“ wurde für das diesjährige „Dschungelcamp“ ausgewählt. Er lief in den vergangenen Wochen im Radio rauf und runter. Wie kam es überhaupt dazu?

Mein Label hat sich dort mit dem Song beworben. Sie haben es mir auch erst gesagt, als der Song schon im Bewerbungspool war. Vielleicht passiert das, wurde mir gesagt und ich war so: „What?“ Denn das ist natürlich krass. Ich meine, man kann über das Dschungelcamp sagen, was man will, aber das ist schon eine Chance. Und außerdem wird die Musik, ähnlich wie bei „Germany’s Next Topmodel“, ja auch gesondert betrachtet.

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Aber es war sicher aufregend, die Zusage für den „Dschungelcamp“-Song zu bekommen, oder?

Kurz vor Weihnachten war das. Ich lag schon im Bett, als ich vom Label-Chef persönlich eine Whatsapp-Nachricht bekam: „Dschungelcamp ist bestätigt.“ Und ich dachte mir: „Okay, was heißt das jetzt?“ Ich brauchte erstmal einen Moment, um zu begreifen, was jetzt alles auf mich zukommt. Am nächsten Tag hatte ich eine Studio-Session und hab es da nur ganz wenig Leuten erzählt. Ich hatte immer noch so Angst, dass es doch nicht klappt. Als es dann wirklich sicher war, sagte mir mein Team: „Okay, Emily du hast jetzt zwei Wochen noch relativ ruhig und dann wirst du erstmal keine Freizeit mehr haben.“ Und ich meinte nur: „Okay, can’t wait!“ Denn all diese Nächte, die ich mir im Studio um die Ohren geschlagen habe, selbst das Kellnern früher – all das, habe ich ja genau hierfür gemacht. Das war so ein gutes Gefühl.

„Leider war die Schulzeit wirklich super schwierig für mich. Ich habe ADS.“

erzählt Emily Roberts im spreewild-Interview

Du hattest bereits mit 19 einen Plattenvertrag. Wie ist es dazu gekommen?

Meine Mama kannte den Produzenten Franz Plasa und hat uns connected. Franz fand meine Stimme gut und hatte Lust auf eine Zusammenarbeit aber er meinte, dass ich zuerst die Schule fertig machen sollte. Erst danach wollte er anfangen mit mir zu arbeiten. Leider war die Schulzeit wirklich super schwierig für mich. Ich habe ADS, also die Aufmerksamkeitsstörung aber ohne Hyperaktivität. Dadurch ist es für mich super schwer mich zu konzentrieren. Ich höre und sehe einfach alles, was um mich herum passiert. Jedes Mal war es unklar, ob ich das Schuljahr schaffe und in der 11. Klasse bin ich dann sitzengeblieben. Damals habe ich mich dann dazu entschieden Ritalin auszuprobieren. Am Ende hat es mir wirklich sehr geholfen. Ich war plötzlich richtig gut in der Schule und habe das Abitur mit 2,5 geschafft. Aber das darf man natürlich Niemandem sagen. (lacht) So ist das eben mit ADS-Kindern, die sind ja alle nicht dumm. Sie passen nur einfach nicht in dieses Schulsystem. Und mit Ritalin werden sie eben passend gemacht, wie auf Mp3-Format konvertiert. Ich würde auch nicht sagen, dass Ritalin grundsätzlich gut ist, aber für die Schule war es wirklich hilfreich.

Und dann ging es also nach der Schule richtig los mit der Musik. Warum hat es noch vier Jahre gedauert, bis du dein erstes Album „Crying over spilled milk“ releast hast?

Also um es ganz ehrlich zu sagen: Ich war in Hamburg in einem Plattenvertrag, in dem ich einfach mega unglücklich war. Ich habe ausschließlich mit einem Producer gearbeitet und wir waren einfach kein Match. Es hat leider sehr lang gedauert für mich, das rauszufinden. Das war sicherlich auch ein Grund, warum sich die Arbeit am Album so hingezogen hat. Außerdem habe ich ja auch gleichzeitig Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert. Meine Mama wollte das so. Damals lebte ich wirklich in zwei Welten. Mein ganzes Leben war in Hamburg und das Studium in Lüneburg. Dadurch war ich bei nichts so richtig. Ich habe dann nach drei Semestern abgebrochen. 2018 haben wir das Album releast. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich da nicht stolz drauf bin. Nachdem das also geschafft war, habe ich einen großen Cut gemacht in meinem Leben. Ich habe mich vom Label getrennt und bin nach Berlin gezogen. Und das war das Geilste was ich je gemacht habe.

Wie hast du denn hier dein neues Management kennengelernt?

Ich habe meinen Manager über gemeinsame Bekannte kennengelernt. Ich konnte erst gar nicht glauben, dass er das wirklich machen will, mich managen. Denn einen Newcomer aufzubauen ist richtige Drecksarbeit, du musst Klinkenputzen gehen und so weiter. Aber er wollte es und hat mir dann auch den Plattenvertrag besorgt. Mein Manager ist ein super Typ, ein totaler Gewinner. Er hat richtig Bock, was mit mir zu reißen und das habe ich mir immer gewünscht. Ich muss echt sagen, dass ich noch nie so mit Herz dabei war wie jetzt.

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Wann kommt dein neues Album denn eigentlich raus?

Ich habe schon so viel Mukke gemacht. Ich sitz mittlerweile auf 35 Demos. Aber ich will das Album noch nicht releasen, denn ich will lieber alles ganz ruhig angehen lassen. Erstmal gehe ich ja jetzt auf Tour mit James Blunt. Das ist sowieso das noch viel krassere Ding für mich. Ich freue mich so sehr darauf.

„Ich glaube viele denken, dass ich uncool bin, weil ich den „Dschungelcamp“-Song gemacht hab.“

befürchtet Emily Roberts

Was steht jetzt dieses Jahr noch so an? Festivals?

Tatsächlich noch kein einziges Festival. Ich glaube viele denken, dass ich uncool bin, weil ich den „Dschungelcamp“-Song gemacht hab.

Meinst du, das „Dschungelcamp“ hat deinem Image geschadet?

Wer „In this together“ kennt, der denkt, dass ich nur diese Musik mache, aber das ist falsch. Deshalb freue ich mich so darauf, bald ein zweites Album zu releasen, damit ich mehr von mir zeigen kann. Die Songs auf meinem ersten Album waren ja alle über eine Beziehung und dann die Trennung. Es war zwar super wichtig für mich diese Songs zu schreiben. Aber im Endeffekt muss ich sagen, dass ich hier einen eher eingeschränkten Blick hatte. Heute bin ich viel mehr und ich will diese Facetten auch zeigen. Ich will, dass die Leute zu meiner Musik tanzen, singen und heulen können. Ich habe Lust mit meinen Songs ein richtiges Gesamtkonzept zu schaffen. Und vor allem möchte ich Konzerte spielen. Für mich ist live Spielen das Schönste, weil man eine Bindung zu den Zuschauern aufbaut und einen echten Moment teilt.

Das heißt, du machst nicht nur Popmusik?

Das Gute an Popmusik heutzutage ist ja, dass es nicht mehr alles so Barbie-Pop ist. So zeigt doch eine Sängerin wie Dua Lipa, dass du dich auch an einer funky Bassline bedienen und daraus ein Radio-Smash machen kannst. Ich lass mich einfach total frei von anderen Genres beeinflussen, ich zensiere mich da nicht. Aber ich würde einfach alles, was ich mache unter Pop zusammenfassen. Denn dafür schäme ich mich nicht. Ich will natürlich nicht einfach nur verkaufen, aber ich habe richtig Bock, einen Vibe zu verteilen und gerne auch mal einen positiven oder einen starken zumindest.

Bekommst du eigentlich viele Hass-Mails, negative Kommentare?

Ja natürlich bekomme ich viele negative Kommentare. Vor allem über YouTube, weil man da die Kommentarfunktion nicht ausschalten kann. Aber ich hatte tatsächlich noch mehr Hass erwartet. Ich habe ja zum Beispiel 2016 den Song „Santa Clara“ für die feministische Weihnachtskampagne von Lidl gesungen und da war es krass, da musste ich ein paarmal echt Weinen. Dieser sinnlose Hate, es ist einfach richtiger Quatsch. Aber ich habe eine dickere Haut bekommen. Es tut zwar immer wieder weh so was zu lesen aber ich kann es schneller abschütteln.

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Wie machst du das denn dann jetzt mit dem ADS, nimmst du noch Ritalin?

Nein, ich nehme nichts mehr. Weißt du, die Sache ist einfach die: Ich mache das, was ich liebe mit meinem Leben. Ich gehe ins Studio, schreibe Songs, gehe auf die Bühne, gebe Interviews. Das sind meine Stärken. Und zum Glück sind meine Stärken stark genug, dass sich ein Team um meine Schwächen kümmern kann.

Hast du denn einen Plan B, falls es mit der Musik doch nicht so richtig klappen sollte?

Nein, wer ist dieser Plan B? (lacht) Bis jetzt funktioniert doch alles gut mit der Mukke und es wird gerade nur noch besser. Ich mach mir da tatsächlich gar keine Sorgen.

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Hast du noch Tipps für Nachwuchssänger*innen?

Ganz einfach: Just do it! Man muss einfach sein Ding durchziehen und Geduld ist ganz wichtig. Außerdem sollte jeder, der Musik machen möchte, verschiedene Produzenten, Labels und so weiter ausprobieren. Wenn man nicht erfolgreich ist, liegt es nämlich nicht immer nur an einem selbst. Tatsächlich kann nichts dabei herauskommen, wenn man mit dem Produzenten kein Team bildet. Ich war zum Beispiel früher schon nach einer Stunde Singen im Studio total müde. Als ich dann in Berlin angefangen hab mit anderen Leuten zu arbeiten, konnte ich plötzlich zwölf Stunden am Stück im Studio sitzen und vergessen zu Essen. Einfach, weil wir so im Flow sind. Das ist eine tolle Erfahrung. Meiner Meinung nach, sollte einfach jeder das tun, was er liebt. Ich denke, wenn man ein Kind tun lässt, was es interessiert und seine Stärken fördert, dann hätten wir eine so viel stärkere Gesellschaft.

Am 9. März spielt Emily als Opener für James Blunt in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

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