Ein Sound ohne Grenzen, der nach vorne geht. Klingt nicht schlecht, oder?

Die Leoniden sind ein Strom aus Sternschuppen, der jeden November den nächtlichen Himmel zum Funkeln bringt. Auch die gleichnamige Band aus Kiel will diesen Herbst Leuchtspuren hinterlassen – mit ihrem zweiten Album „Again“: Ein verspieltes Rockalbum, das Euphorie und Dringlichkeit versprüht und gleichzeitig Themen wie Verzweiflung, Angst und Sehnsucht nicht auslässt.

So auch auf dem Opener „River“, der jaulenden Chormelodien beginnt, während Sänger Jakob mit softer, fast zerbrechlicher Stimme seine Ängste, Zweifel und depressiven Momente offenbart: „I have no control/I’m floating to no coast and I’ll be drowning soon.“ Auf ruhige melodische Strophen folgt ein wütender Refrain mit laut ausrastenden Gitarren-Sounds, die sich immer weiter auftürmen und mit dreckigen Rockelementen daherkommen. Denn in der Sozialisation der Band aus Kiel spielten Hardrock und Punk eine große Rolle – und das hört man.

Endlich mal wieder ein deutscher Act, der sich traut, auf Englisch zu singen

Die Brüder Lennart und Felix Eicke, Sänger Jakob Amr, Bassist JP Neumann und Keyboarder Djamin Izadi veröffentlichten 2017 ihr Debütalbum „Leoniden“ über das bandeigene Label „Two Peace Signs“ und erinnerten mit ihrem englischsprachigen Indie-Pop-Sound bereits damals an die britischen Hipster Jungs von The Kooks: Endlich mal wieder ein energischer deutscher Act, der sich traut, auf Englisch zu singen. Doch die Fünf verbindet nicht nur ihre leidenschaftliche Liebe zu Musik, sondern auch eine tiefe Freundschaft und ganz viel Herz – eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung der Band.

Dass aber auch das Gefühl von Isolation schön sein kann, wissen die Jungs: In ihrem Song „Alone“ zelebrieren sie das Alleinsein. Mit einem leichten, eingängigen Sound und einer Falsettstimme à la Michael Jackson ist der Song extrem tanzbar, wie auch das dazugehörige Video beweist, indem Jakob ganz in weiß auf einer sich rotierenden Scheibe tänzelt.

Musikalisch führen Leoniden auf der Platte gekonnt fort, was ihnen bereits auf ihrem Debütalbum gelungen ist, nämlich eine stilistische Offenheit, deren Sound keine Grenzen kennt. Irgendwo zwischen softem Indie-Pop, modernem R’n’B und wuchtigem Alternative Rock. (Viola Blomberg)

Fazit: „Again“ macht Lust auf den nächsten Festivalsommer.