Ein Konzeptalbum über Berlin – besonders innovativ ist das nicht. Milliarden haben es dennoch gemacht. Kann es überzeugen?

Milliarden haben sich an einem neuen Album versucht. „Berlin“ heißt es. Darin wird dem herrlichen Konzept gefröhnt, mit welchem das Musikkonstrukt um Ben Hartmann und Johannes Aue schon vorher erfolgreich war. Sie machen Musik, die schwer einzugrenzen ist. Angezupfte Bässe, treibende Schlagzeugrhythmen, eine raue Stimme mit Verzerrer. Einen genauen Stil festzulegen ist bei Milliarden unmöglich, das Album „Berlin“ hingegen wirkt wie ein emotionales Konzeptalbum.

Das Lebensgefühl dieser Stadt soll sich auf dem Album verewigt wissen und vermutlich wollte man auch einfach nur den Trend um Berlin aufgreifen. Doch genau das ist das Problem. Die einzelnen Songs des Albums drehen sich um die Art und Weise, wie Berlin tickt, aber es fehlt die Innovation, der Holzhammer, den man von Musik manchmal erwartet. Vor allem fehlen aber Aspekte, die neu wären. „Berlin“ wirkt fast wie eine Ode aus einem Touristenführer, kombiniert mit ein paar Bildern aus einem Szeneblog.

Musikalisch überzeugt das Album

Andererseits gehört es zur Bandphilosophie, sich nicht festlegen zu lassen. Vielleicht war Hartmann und Aue herzlich egal, wie sehr sie im Trendstrom mitschwimmen. Vielleicht war ihnen auch egal, wie weichgewaschen manche großen Themen im Zusammenhang mit der Hauptstadt eigentlich sind. Und vielleicht war ihnen auch egal, wie viele Menschen sie mit ihrem Album ansprechen. Vielleicht ging es einfach nur um Musik. Um mit Musik auszudrücken, was gesagt werden sollte. Da ist jedes Quäntchen Theatralik recht, das sich in den Zeilen der Texte wiederfindet.

Lässt man das überstrapazierte Berlin-Thema außer Acht, ist „Berlin“ aber ein gutes Album. Ein sehr gutes Album sogar. Musikalisch astrein umgesetzt, voll mit Songs, die losgelöst vom Albumtitel durchaus Anklang finden. Somit bleibt zu sagen: Solang man das Album nicht als Konzeptalbum sieht, sondern als Ansammlung an Emotionen und Bildern aus dem Poppunk-Poesiealbum, so kommt man vollends auf seine Kosten.