Danger Dan, Sänger der Antilopen Gang, hat sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Weil er eine Psychotherapie gemacht hat. Das wollten wir genauer wissen – und haben ihn zum Gespräch getroffen.

Dein Album heißt „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“. Wer beschönigt denn das Leben?
Das Album ist vor allem eine Auseinandersetzung von mir mit mir selbst. Mir ist aufgefallen, dass ich oft im Nachhinein Dinge glorifiziert habe, die gar nicht so toll waren. Mir gefällt aber auch die Referenz an ­Adornos „Reflexionen aus dem beschädigten Leben“. Und ich bin gespannt, was andere darin lesen.

Du hast vor einem Jahr eine Psychotherapie begonnen. Beansprucht der Erfolg im Musikgeschäft die Psyche so sehr?
Nein, das denke ich nicht. Ich kenne eigentlich niemanden, der nicht irgendwann in seinem Leben mal therapeutische Hilfe in Anspruch genommen hätte oder es gerne tun würde. Wir alle haben irgendwelche Päckchen mit uns zu tragen. Ich glaube einfach, dass Leute, die kreativ und frei arbeiten können, häufiger therapeutische Prozesse in ihre Arbeit einfließen lassen als jemand, der im Büro arbeitet. Es gibt ja auch das Klischee, dass Künstler einen Hang zum Wahnsinn haben. Auch das glaube ich nicht. Künstler haben einfach das Glück, eine Form zu finden, mit der sie das alles verarbeiten können. Aber der Wahnsinn ist allgegenwärtig!

In dem Lied „Sand in den Augen“ thematisierst du Gender-Ungerechtigkeiten und die Objektifizierung von Frauen in unserer Gesellschaft. Macht es dir in Anbetracht dieser Verhältnisse Angst, Vater einer Tochter zu sein?
Ich glaube nicht, dass man Vater eines Mädchens sein muss, um sich Sorgen zu machen. Du kannst auch Vater von einem Sohn sein oder einfach so in dieser Welt leben. Vaterschaft führt nicht zwangsläufig zu einer Erkenntnis. Ich muss aber gestehen – ich bin aufgewachsen mit drei Brüdern: Ich habe die Biografie einer Frau nie so hautnah erlebt, wie ich es gerade mache. Das ist schon spannend und bewegend.

Und dadurch hast du den Feminismus für dich entdeckt?
Ich würde sagen, Feminismus ist ein Thema, das mir schon immer am Herzen lag. Jetzt baue ich dazu eine völlig neue Verbindung auf. Aber diese Welle von feministischen Vätern sehe ich kritisch. Ich frage mich da, ob aus so einem „väterlichen Schutzreflex“ nicht viel mehr Sexismus als Feminismus spricht.

Du bezeichnest dein Album als den Versuch einer Standortbestimmung. Hätte etwas in deinem Leben anders laufen sollen?
(lacht) Nö! Natürlich habe ich Sachen verkackt, die ich heute bereue. Aber ich bin doch relativ zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Ich hatte einfach sauviel Glück in meinem Leben. Und sich ab und zu mal zu verlieren, ist das Beste, was einem passieren kann.

Bist du beruflich angekommen?
Arbeit und Beruf sind für mich sehr sekundär, aber das sage ich aus einer sehr dekadenten Perspektive heraus. Ich habe das Glück, mit Musik Geld zu verdienen. Aber ich kenne wahnsinnig viele talentierte Musiker, die das Glück nicht haben. Da brauche ich nicht jammern. Ich vermute, in ein paar Jahren kommt wieder etwas anderes.

Wirst du doch noch zur Uni gehen?
Ja, vielleicht das. Oder ich werde doch noch Therapeut. Oder ausgiebig Patient.

 

Übrigens: So finden wir Danger Dans Album „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“.

Beitragsbild: Jaro Suffner