Im Interview spricht die Berliner Band Kafvka über Hass, Diskriminierung und Engagement

von Helene Harnisch, 15 Jahre

Seit 2013 gibt es die Band Kafvka. Ihr neuestes Album „2084“ erschien am 27. April. Ab Ende Mai sind die Jungs dann damit auf Tour. Die Band zeigt sich häufig politisch, ihre Musik­richtung einzugrenzen, fällt hingegen schwer. Wir haben mit Frontsänger Jonas Kakoschke, Bassist Philipp Lenk und Schlagzeuger Stephan Ifkovits über Hater und ihr politisches Engagement gesprochen.

Eure Musik könnte man als „politischen Rock-Rap mit grooviger Gitarre“ bezeichnen – wie seid ihr dorthin gekommen?
Philipp: Das hat sich eigentlich so ergeben: In unserer Jugend, in den 90ern, haben wir viel groovige Gitarrenmusik, etwa von Rage Against The Machine, gehört, und da hatten wir einfach Bock drauf.
Jonas: Was inhaltlich passiert, das ergibt sich einfach aus dem, was mich gerade bewegt, aber natürlich auch durch alles, was in den letzten Jahren politisch geschehen ist – das hat uns stark beschäftigt und das spiegelt sich dann in unseren Texten wider.

Die sind aber alles andere als sanft – wie reagiert ihr auf eure Hater?
Stephan: Prinzipiell muss man da cool bleiben, darüberstehen, die Leute auslachen. Im Netz traut sich ja jeder.
Jonas: Außerdem ist die Aufmerksamkeit ja eine gewisse Bestätigung. Da merken wir, dass wir etwas richtig gemacht haben. Ist ja auch ganz schön. Wenn es dann aber so ernst wird, dass sogar unsere Familien bedroht werden, hört der Spaß natürlich auf.

Viele eurer Hater zeigen ihre Meinung ziemlich offen. Ab wann ist das nicht mehr in Ordnung?
Philipp:
Ab Diskriminierung, die natürlich von beiden Seiten kommen kann. Ich finde es nicht richtig, wenn Linke diskriminieren, ich finde es aber auch nicht richtig, wenn Rechte diskriminieren.

Wo beginnt die denn?
Jonas:
Da, wo sie andere in ihrem Leben einschränkt. Das entscheidet ja im besten Fall nicht der, der diskriminiert, sondern das Opfer. Das wird leider oft nicht beachtet. Wir als weiße Menschen können uns das gar nicht vorstellen, aber viele Leute vermeiden öffentliche Räume, weil sie dort zu viele blöde Kommentare kriegen – und das in Berlin!
Philipp: Außerhalb ist das aber viel extremer.
Jonas: Das ist alles eine ­Bildungsfrage, aber persönliche ­Erfahrung spielt da auch eine wichtige Rolle. Es ist ja nicht umsonst so, dass die Länder mit den meisten AfD-Wählern die geringsten Ausländer-Anteile Deutschlands haben.
Stephan: Vielleicht ist das aber auch eine Arroganz der links Eingestellten.

Und was macht ihr gegen diese Probleme?
Jonas:
Ich habe eine NGO namens „Flüchtlinge Willkommen“ gegründet, bei der wir Geflüchteten WG-Zimmer vermitteln. Dadurch wollen wir geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen zusammenbringen, damit man auch mal direkten Kontakt zueinander hat und Vorurteile abbauen kann. Das beeinflusst natürlich uns alle und fließt auch in unsere Texte.
Philipp: Außerdem versuchen wir auf unseren Konsum zu achten, was uns natürlich als Band manchmal Probleme bereitet. Aber uns ist es sehr wichtig, dass Produkte fair produziert werden und die Unternehmen dahinter eine gewisse Transparenz liefern.
Jonas: Uns würde ja auch keiner ernst nehmen, wenn wir die ganze Zeit Blabla machen würden, aber am Ende anders handeln.

Was kann man denn als Einzelner machen, wenn es um den eigenen Konsum geht?
Jonas:
Wichtig ist, sich klarzumachen, dass dieser Wohlstand, in dem wir hier leben, nicht einfach so da ist, weil wir ihn verdienen, sondern weil andere Länder seit Generationen in Armut leben. Ihr als die heutige Jugend-Generation habt bestimmt total viele gute Ideen, was man tun kann. Doch aus Gedanken allein entsteht nichts. Denn es bringt natürlich niemandem etwas, wenn man sich der Probleme bewusst ist, aber gleichzeitig nie etwas dagegen tut.
Philipp: Man kann solche Probleme aber auch nur Stück für Stück verändern. So etwas kann nicht von einem Tag auf den anderen gelöst werden.

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