Unkonventionell und kryptisch: Yung Hurn ist nur schwer einzuordnen. Das Debütalbum des Wieners bleibt jedenfalls im Ohr.

Von Viola Blomberg, 25 Jahre

Von Punk über Dadaist bis hin zu Avantgardist oder Stilikone – welche Charakterisierung man Yung Hurn auch zuschreiben will, sie liegt wohl irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn.

2015 veröffentlichte Yung Hurn sein Debüt-Mixtape „22“. Mit seinen Cloud-Rap-Beats, den kitschigen Synthie-Melodien und vor allem mit seinen simplen, meist undurchsichtigen Texten traf er haargenau den Nerv der Zeit. Zwischenzeitlich gründete er seine Love Hotel Band und spielte mit verschiedenen Künstler-Alter-Egos wie K. Ronaldo. Nun hat der Rapper aus Österreich sein Debütalbum „1220“ – die Postleitzahl des 22. Wiener Gemeindebezirks – veröffentlicht.

Mit kryptischem Sprechgesang setzt sich Yung Hurn darauf mit der Liebe, dem Leben und vor allem dem Rausch auseinander. Während er in „Ok cool“ desinteressiert Zeilen wie „Deine Freunde verkaufen jetzt Drogen – okay, cool. Du stehst heute auf der Gästeliste – okay, cool“ rappt, zeigt uns der Romantiker in dem Song „Bist du allein“, dass Liebe am Ende meist doch wehtut. „Brich mein Herz, weil ich Schmerzen will“, singt er und begibt sich im dazugehörigen Video auf ein psychedelisches Date in einer fernöstlichen Großstadt. Dann wieder schlüpft der junge Wiener in „Eisblock“ auch in die Rolle des Herzensbrechers: „Ich mach Schluss und sie weint, weint. In meinem Herz drin Eis, Eis. Nasenlöcher beide weiß, weiß“, rappt er auf verträumten, melancholischen Future-R’n’B-Beats.

14 kurze Ohrwürmer

Die 14 Tracks auf „1220“ sind alle kaum länger als drei Minuten und bleiben ewig im Ohr. Wer bei Yung Hurn die üblichen Hip-Hop-Konventionen sucht, ist vollkommen fehl am Platz. Zwar weiß auch er, wie man sich mit unverschämtem Selbstbewusstsein selbst feiern kann, doch Yung Hurn wirkt dabei niemals protzig. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der Musiker selten Details aus seinem Privatleben verrät. Weder sein Alter, seinen bürgerlichen Namen noch seinen Beziehungsstatus gibt er preis.

Eben diese Ungewissheit, das Skizzenhafte ist die Stärke des Albums, das sich aufgrund von Yung Hurns Bekanntheit und der Vielzahl an bereits veröffentlichten Hits gar nicht wie ein Debüt anfühlt. Es ist ein Album voller fabelhaft zugänglicher Songs geworden.

Fazit: Ok cool!