Drei Jahre nach Erscheinen ihres bejubelten Albums „Out“, nach unzähligen Konzerten und Soloprojekten melden sich Die Nerven zurück.

Von Viola Blomberg, 25 Jahre

Was ist heutzutage noch echt? Was nur gefühlt? Und wem kann man überhaupt noch vertrauen? Über „Fake News“ wurde in den vergangenen Monaten heftig debattiert. Mit „Fake“ treffen Die Nerven also durchaus den Nerv der Zeit. Es ist das vierte Studioalbum der Stuttgarter Band und entstand in Proberäumen, Studios und auf Theaterbühnen in Stuttgart, Leipzig und Berlin. Außerdem ist es komplett live aufgenommen.

In einfachen aber tiefgehenden Phrasen setzen sich Max Rieger (Gesang und Gitarre), Julian Knoth (Gesang und Bass) und Kevin Kuhn (Schlagzeug) in den zwölf Songs mit den Möglichkeiten, den Problemen und der Unkontrollierbarkeit des Begriffs „Fake“ auseinander. „Her mit euren Lügen, her mit eurem Neid“, singen sie im titelgebenden Track. Auf abstrakte Art und Weise transportieren Die Nerven damit ihr Gefühl von Unbehagen gegenüber dem Schein und der Missgunst, die vor allem durch das Internet gewachsen sind, in ihre Texte. Musikalisch bedient sich das Trio, das sich 2010 im Stuttgarter Umfeld gegründet und seitdem vom Lokalphänomen zu einer der gehyptesten Bands in Sachen deutschsprachiger Noise-Rock entwickelt hat, sowohl an schroffen Gitarren-Sounds als auch an eingängigen Pop-Elementen.

In den Songs geht es auch um die eigene Identität

Auch die eigene Identität wird auf dem Album immer wieder infrage gestellt und im Sinne von „Fake“ im Unklaren gelassen. In „Niemals“ geht es um den Zwang der Selbstoptimierung und die Verweigerung der Selbstfindung: „Wo willst du hingehen, wenn du überall schon warst?“, fragen sich die drei Mittzwanziger und kommen zu dem Schluss, dass es der Prozess und die Auseinandersetzung mit sich selbst und unserem Umfeld sind, die unser Leben so spannend machen.

Insgesamt funktioniert jeder der zwölf Songs für sich allein. Sie fügen sich aber doch noch im Kontext des Albums zusammen. Die Nerven geben sich auf „Fake“ nachdenklich und kritisch, bleiben immer ein wenig unkonkret – was durchaus gewollt ist. Am Ende bleibt eben doch alles ein Rätsel.