Skandal-Rapper Kollegah hat ein Buch geschrieben. Es zeigt sein fragwürdiges Menschenbild.

Schon der Titel „Das ist Alpha – Die 10 Boss-Gebote“ macht klar, worum es in diesem Buch gehen wird. Rapper Kollegah will seinen männlichen Fans zeigen, wie man vom „Lauch“ zum „Boss“ wird. So würde er das auf jeden Fall formulieren.

Kollegah, bürgerlich Felix Antoine Blume, geht davon aus, dass der Leser eben so ein „verarmter, fauler, ungefickter, unsicherer, erfolgsloser, skinny-fatter, Total-Lauch“ ist. Sonst hätte er sich das Buch nicht zugelegt, so der Gedanke. Der Begriff „Lauch“ bezeichnet im Übrigen eine Person, die einen Körperbau entsprechend dem gleichnamigen Gemüse hat. Der Autor selbst zählt sich als gutes Beispiel natürlich zur anderen Kategorie: „Boss“. Die Basics wären damit geklärt.

Immerhin: Es geht nicht nur um Kraftsport

Das Buch ist immerhin mehr als ein Kraftsport-Ratgeber, es dreht sich vor allem um das „Mindset“ seiner Leser, das Kollegah ändern möchte. Wer würde nicht lieber Chef einer erfolgreichen Firma sein, als in irgendeinem schlecht bezahlten Fließband-Job sein Geld zu verdienen? Eben. Um das zu erreichen, aus 
dem „Hamsterrad“ auszubrechen, unterrichtet Kollegah den Leser über 
Disziplin, Selbstbewusstsein, den Umgang mit Niederlagen, 
Vorbilder, Selbstlosigkeit, Bildung, Bescheidenheit, Geld und Fitness.

Gespickt sind seine Weisheiten mit interessanten Anekdoten. Am inspirierendsten ist dabei eine Geschichte aus der Zeit, in der Kollegah noch kein „Boss“ war. 2004 schrieb er in ein Internetforum, dass er eines Tages der „deutsche Rapper mit dem meisten fame“ sein werde. Damals kam von den anderen Usern nichts als Häme. Heute – 14 Jahre, etliche Gold- und Platinschallplatten später – ist er genau dort angekommen.

Das Frauenbild ist aber ziemlich daneben

Für alle, die bei Kollegah nur an Antisemitismus denken: Davon ist im Buch nichts zu finden. Gemäß den Interessen von Lauchs schreibt Kollegah an mehreren Stellen aber über Frauen, wobei eine teils sehr fragwürdige, sexistische Sicht deutlich zum Vorschein kommt.

Dass mit Kollegah ein Typ, der mitverantwortlich dafür ist, dass so viele Jugendliche ins Fitnessstudio gehen, erklärt, dass ein geschulter Geist mindestens so wichtig sei wie ein trainierter Körper, ist lobenswert. Das Störende dabei ist der Stil, diese „bosshafte“, herablassende Art des Rappers. Was vor der Kamera witzig sein mag, ist auf Buchlänge nervig und kaum ernst zu nehmen.

 

Beitragsbild (Ausschnitt): Riva Verlag