Wasiem Taha spricht über Alter Egos: den Rapper Massiv und den Serien-Charakter Latif („4 Blocks“).

Er ist als „Massiv“ bekannt geworden. Ein muskulöser 120-Kilo-Koloss, dessen Songs von Messerstechereien, Kokain und Nutten handelten, der erste richtige Gangsta-Rapper in Deutschland. Als Musiker hat er diesen Themen zwar abgeschworen, doch in der Pay-TV-Serie „4 Blocks“ erlebt Wasiem Taha als Latif eine zweite Karriere als Krimineller. Wir haben ihn zum Interview besucht.

Du hast bei Instagram ein Foto mit der Bildunterschrift „Es wird sich so einiges ändern #NieWiederMassiv?“ gepostet. Was hat es damit auf sich?
Das sind so Gedankengänge, darüber, wie man etwas macht und was man in Zukunft vielleicht anders machen will. Sehr viele Fragen, die ich mir selbst stelle. Das geht aber nur mich persönlich etwas an.

Musst du dich neu erfinden?
Nicht neu erfinden. Vielleicht will ich noch authentischer, noch ernster werden, noch näher an der Person Wasiem dran sein.

In der zweiten Staffel von „4 Blocks“, die gerade gestartet ist, spielst du wieder als Latif mit. Eine andere Rolle hattest du abgelehnt, weil du dich nicht mit ihr identifizieren konntest. Inwiefern kannst du dich mit Latif identifizieren?
Bei Latif ist alles noch so im grünen Bereich, keine ekeligen Sachen. Ein Vater, der das Beste für seine Familie will. Das ist schon irgendwie wichtig für mich: Wenn ich schon neu in die Schauspielerei eintauche, will ich nicht weit weg sein von dem, was ich gerne sein will.

Die Rolle konntest du dir einfach so aussuchen?
Nachdem ich die erste Rolle abgelehnt habe, wurde mir die Rolle des Latif vorgeschlagen. Dafür musste ich aber in ein Casting gehen. Das war nicht mehr so ein Selbstläufer, da saß ich dann mit zwanzig anderen Schauspielern.

Wie oft ist in der zweiten Staffel mit Latif zu rechnen?
Viel häufiger als in der ersten. Meine Rolle wird größer, ausgeprägter. Ich finde es schön, dass es mehr Raum für mich gibt und die Rolle des Latif wächst.

„Man muss versuchen, mit jedem mithalten zu können“

Dein Kollege Veysel (spielt den Abbas) hatte durch die erste Staffel großen Erfolg als Rapper. Erhoffst du dir durch die zweite Staffel auch so einen Push für deine Musik?
Veysel ist durch die gute Musik, diese hitlastige Mucke plus „4 Blocks“ und diesen Hype, diese Superrolle, die er hatte, einfach explodiert. Bei mir ist das ein bisschen anders, mich kennt man schon seit 13 Jahren.

Und mittlerweile sprechen dich mehr Menschen wegen „4 Blocks“ an als wegen deiner Rap-Karriere. -Findest du, dass deine Musik nicht mehr genug gewürdigt wird?
Natürlich erhofft man sich immer mehr. Man muss aber auch mal mit dem zufrieden sein, was man hat. Diese ganzen Klicks und diese Relevanz, dieses ganze Polarisieren hatte ich schon. Ich hatte meine Phase, wo sich wirklich fast alles nur um Massiv gedreht hat.

Im September ist dein 15. Album (M10 II) erschienen. Wie ist die Resonanz bisher?
Die Resonanz ist super. Es war am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig, viel Autotune, viel Trap. Im Nachhinein gibt es viele Punkte, die würde ich jetzt sein lassen, aber im Ganzen bin ich sehr zufrieden. Manchmal muss man einfach machen und rausbringen. Musik ist nicht dafür da, um stehen zu bleiben, sondern um mit der Zeit mitzugehen. Was die anderen können, kann ich besser. Es ist ja auch eine Form des Battles, man muss ja versuchen, mit jedem mithalten zu können. Auf seine Art und Weise das besser hinzubekommen und seine eigene Note darunterzusetzen.

Du kommst sehr ausgeglichen rüber. Seit 2015 benutzt du keine Schimpfwörter. Wie kam das?
Irgendwann stehst du halt vor dem Spiegel und denkst dir, jetzt bin ich in einem gewissen Alter und dann kannst du sowas nicht mehr mit dir selbst vereinbaren. Es geht auch irgendwie ohne. Ich dachte mir, das ist eine Herausforderung, also bin ich ins Studio gegangen und habe einen brachialen Beat genommen. Ein Beat, wo es eigentlich nicht ohne Schimpfwörter geht, aber ich habe es ohne gemacht. Dann habe ich gesehen, dass es klappt, diesen Weg kann ich gehen. Ich kann beruhigt in den Spiegel gucken, ich kann mit den Kids draußen auf der Straße ein Bild machen und muss kein schlechtes Gefühl dabei haben, jemandem einen guten Ratschlag für sein Leben mitzugeben. Vorher wäre es ja ein bisschen heuchlerisch gewesen.

Weil du dir vorwerfen lassen musstest, Jugendliche auf dumme Gedanken zu bringen?
Ich bin der Auffassung, dass die Kids selbst entscheiden können, was der richtige Weg ist. Was du ihnen verbietest, machen sie erst recht. Sie suchen sich immer eine Actionfigur aus.

„Ich bin jetzt endlich richtiger Berliner“

Was ist eigentlich dein Ziel mit dem Kraftsport?
Mein Ziel ist jedes Jahr aufs Neue, den perfekten Körper zu haben – dem du aber immer hinterherrennst, weil es dir durch deine Genetik nicht gelingt. Das bedeutet eigentlich nur, jeden Tag sauber zu essen und zu versuchen zu trainieren. Ich mache es nur noch aus Liebe zum Sport und für mich selbst.

Du bist vor vielen Jahren aus Pirmasens nach Berlin gezogen. Fühlst du dich als Berliner, als Pfälzer oder – wegen deiner Eltern – als Araber? In einer deiner Lines freust du dich über den „Adler auf dem (deutschen) Pass“.
Ich bin ein übertriebener Weltmensch. Einfach Multikulti, ich mache keine Unterschiede. Ich bin mittlerweile seit dreizehn Jahren hier und bin gefühlt jetzt endlich richtiger Berliner. Ich würde es vermissen, wenn ich länger als zwei Tage nicht hier wäre.

„4 Blocks“ handelt von Clan-Kriminalität in Berlin. Wie viel Realität steckt deiner Erfahrung nach in der Serie?
Ich denke, Berlin ist eine Stadt, wo es in verschiedenen Bezirken sehr viel Kriminalität gibt, weil hier viele Leute aufeinandersitzen und nicht die gleichen Chancen haben wie woanders. Dadurch sind Viertel wie Wedding oder Neukölln viel intensiver als andere Orte. 4 Blocks kann nur in Neukölln spielen, nirgends sonst. Hier wird geschossen, hier wird gestochen, hier wird geklaut, sogar am helllichten Tag. Das ist Berlin.

 

Beitragsbild: Turner Broadcasting System Europe