Wer sich erst mal reinhört, wird mit einer Ausnahme-EP belohnt. Solche Musik ist schwer zu finden.

Sudan Archives werfen eine neue Platte auf den Musikmarkt. Zarte Stimmen, unterstützt durch Backvocals, sphärische Klänge und kunstvoll eingesetzte Effekte, lassen „Sink“ klingen wie einen Soundtrack: wie gemacht dafür, in einem Imagefilm eingesetzt zu werden. YouTuber Casey Neistat wäre begeistert von der musikalischen Umsetzung: ruhig, stark in seiner Aussage und mit Können hergestellt.

Allerdings mag der Stil der Platte nicht jedem vollends zusagen. Die Stimmen der Sängerinnen, die sich zwischen Dancehall und Soul bewegen, fallen oftmals aus dem Takt des Beats. Auch wenn dies vermutlich gewollt ist, stört es im Laufe der einzelnen Songs.

Die Platte zeigt, wie wenig wir uns heutzutage auf Musik einlassen wollen

Instrumental glänzt Sudan Archives durch alternative Umsetzungen. Der Mix aus Trap-Beats, afrikanischer Tradition und Deep House ist zwar stark gewöhnungsbedürftig, allerdings ausnahmsweise in einem positiven Sinne. Auf dem deutschen Markt ist so etwas nur schwer zu finden.

Durch die geringe Spielzeit der insgesamt sechs Songs wird man mal kurz in tonale Welten entführt, zu denen man normalerweise keinen Zugang erlangen würde. 

Deswegen muss man aber Konzentration aufbringen – aufbringen wollen–, wenn man sich die EP das erste Mal anhört. Man muss sich umgewöhnen. Das zeigt aber ein weiteres Mal, wie weichgespülter Pop dafür gesorgt hat, dass wir uns immer weniger auf die Musik einlassen wollen. Und es zeigt auch, wie sehr wir als Hörer mittlerweile auf passiven Konsum getrimmt sind. Gerade deswegen braucht es Bands wie Sudan Archives, die immer wieder Neues in unser Gehör setzen.

Ein junges Projekt einer noch jüngeren Künstlerin – scheint vielversprechend. „Sink“ ist klar zu empfehlen und verdient alles Menschenmögliche an Aufmerksamkeit!

 

Beitragsbild: Jack McKain