Sudan Archives mit geschlossenen Augen
Sudan Archives

Gewöhnungsbedürftig gut: „Sink“ von Sudan Archives

Wer sich erst mal reinhört, wird mit einer Ausnahme-EP belohnt. Solche Musik ist schwer zu finden.

Sudan Archives werfen eine neue Platte auf den Musikmarkt. Zarte Stimmen, unterstützt durch Backvocals, sphärische Klänge und kunstvoll eingesetzte Effekte, lassen „Sink“ klingen wie einen Soundtrack: wie gemacht dafür, in einem Imagefilm eingesetzt zu werden. YouTuber Casey Neistat wäre begeistert von der musikalischen Umsetzung: ruhig, stark in seiner Aussage und mit Können hergestellt.

Allerdings mag der Stil der Platte nicht jedem vollends zusagen. Die Stimmen der Sängerinnen, die sich zwischen Dancehall und Soul bewegen, fallen oftmals aus dem Takt des Beats. Auch wenn dies vermutlich gewollt ist, stört es im Laufe der einzelnen Songs.

Die Platte zeigt, wie wenig wir uns heutzutage auf Musik einlassen wollen

Instrumental glänzt Sudan Archives durch alternative Umsetzungen. Der Mix aus Trap-Beats, afrikanischer Tradition und Deep House ist zwar stark gewöhnungsbedürftig, allerdings ausnahmsweise in einem positiven Sinne. Auf dem deutschen Markt ist so etwas nur schwer zu finden.

Durch die geringe Spielzeit der insgesamt sechs Songs wird man mal kurz in tonale Welten entführt, zu denen man normalerweise keinen Zugang erlangen würde. 

Deswegen muss man aber Konzentration aufbringen – aufbringen wollen–, wenn man sich die EP das erste Mal anhört. Man muss sich umgewöhnen. Das zeigt aber ein weiteres Mal, wie weichgespülter Pop dafür gesorgt hat, dass wir uns immer weniger auf die Musik einlassen wollen. Und es zeigt auch, wie sehr wir als Hörer mittlerweile auf passiven Konsum getrimmt sind. Gerade deswegen braucht es Bands wie Sudan Archives, die immer wieder Neues in unser Gehör setzen.

Ein junges Projekt einer noch jüngeren Künstlerin – scheint vielversprechend. „Sink“ ist klar zu empfehlen und verdient alles Menschenmögliche an Aufmerksamkeit!

 

Beitragsbild: Jack McKain

Kategorien Kultur Musik Spreewild

Ich bin Hannes, 17. Zwischen, Koffein, Misanthrophie, Philosophie und Augenringen findet sich irgendwo meine rebellierende Ader, mein Schreibspleen, der immer wieder nach Ausdruck verlangt. Schreiben ist für mich wie Tourette. Man kann es versuchen zu unterdrücken, aber irgendwann bricht es sich doch Bahn. Leise war ich eh nie. Aufbegehren wurde mir gewissermaßen anerzogen. Und somit bin ich im Journalismus gelandet. Denn dort kann ich aufbegehren und wenn ich Glück habe, wird das Ganze sogar gelesen. Eine optimale Mischung für einen Menschen, der gehört werden will.