Trap-Queen, Cloud-Rapperin und erklärte Pop-Hoffnung der Nation: Das langersehnte Label-Debüt „Montenegro Zero“ der Hamburger Rapperin Haiyti ist endlich zu haben.

Viola Blomberg, 21 Jahre

Gangster-Pop, so nennt Haiyti das, was sie macht und wofür sie derzeit als Galionsfigur einer Poprevolution gehalten wird. Die alten Gewissheiten verdrehen, das Bekannte verzerren und die vermeintlichen Grenzen zwischen Untergrund und Pop einreißen – die Hamburgerin Ronja Zschoche alias Robbery alias Haiyti ist eine Einzelkämpferin im dumpfen Macho-Geschäft Deutschrap und bringt nun nach ein paar auffälligen Mixtapes, EP’s und einem nischigen Longplayer gemeinsam mit dem Produzententeam Kitschkrieg ihr Major-Debüt raus.

Was uns auf den 12 Tracks erwartet, wird gleich zu Beginn der Platte deutlich: „Ich hab 100.000 Fans, die mich noch nich’ kenn’!“, rappt Haiyti und will uns warnen: Hier kommt etwas Gewaltiges auf uns zu, wir wissen es bloß noch nicht. Mit quengelnder, aggressiver Stimme und jeder Menge Autotune-Effekten singt sie beispielsweise im Song Haubi vom großstädtischen Leben um den Hamburger Hauptbahnhof: „Das Leben um den Hauptbahnhof/ Ich schieße eine Taube tot/ Das schöne Leben aussichtslos/ Für kurze Zeit nur auf dem Thron“.

Die Figur der Beobachterin, die in einem Moment schmerzhafter Klarheit das Leben ohne Auffangnetz durchleuchtet, ist aber letztlich nur eine ihrer vielen Rollen, die sie auf „Montenegro Zero“ einnimmt: Während sie in „Gold“, dem Lovesong, der eigentlich keiner ist, noch wehmütig und „verloren im Crushed Ice“ nach der großen Liebe sucht, spielt sie in Mafioso die Gangster-Rapperin mit Goldkette und Zigarre.

Trotz ausverkaufter Konzerte, Feuilleton-Besprechungen und Kollaborationen mit Szenegrößen wie Trettmann und Haftbefehl ist das Faszinosum Haiyti zwar noch immer ein Geheimtipp, das dürfte sich mit der Platte und der dazugehörigen „Die Kleine macht jetzt Kasse“-Tour aber mit Sicherheit ändern.

Haiyti, selbst ernanntes „Girl Boss Gangster“, holt den Glanz von Gestern in die Musik von Heute und kapituliert sich damit an die Spitze einer neuen Generation.