Der Verband der Kinder- und Jugendtheater in Deutschland hat eine neue Studie zur Lage der jungen Theaterlandschaft in Deutschland veröffentlicht. Dort heißt es leider größtenteils:  Kleines Geld für kleine Zuschauer.

Zu Berlins vielfältiger Theaterszene gehören nicht nur die großen Opern- und Schauspielhäuser für Erwachsenenkultur, sondern auch zahlreiche Kinder- und Jugendtheater.Wie schlecht es finanziell und personell um sie steht, belegt nun eine Studie des Verbandes der Kinder- und Jugendtheater in Deutschland, kurz ASSITEJ. Die Mehrzahl der Einrichtungen werde gefördert. Doch: „Bei etwa 60 Prozent dieser Theater setzen sich mehr als drei Viertel des Umsatzes aus Eigenmitteln, wie Honoraren oder Ticketeinnahmen, zusammen“, heißt es in der Studie.

Sie ist die erste, die umfangreich Auskunft über den Zustand der deutschen Kinder- und Jugendtheaterszene gibt. Die Erkenntnisse seien von großer Wichtigkeit, sagt Wolfgang Stüßel, Berliner Vorstandsmitglied beim ASSITEJ und Leiter des Theaters Strahl. „Die Studie ist vor allem in Auftrag gegeben worden, weil das Kinder- und Jugendtheater bisher viel mit gefühltem Wissen argumentierte. Jetzt können wir belegen, dass das Kindertheater wesentlich schlechter finanziell gefördert wird als der Erwachsenenbereich. Für kleine Zuschauer gibt es auch nur ein kleines Geld“, erklärt er.

Auch in ländlichen Gebieten und Randstadtteilen soll Theater stattfinden

Die Studie, für die rund 1 000 Theater und Spielstätten in Deutschland befragt wurden, ergab zudem, dass der Anteil an selbst produzierenden Theatern ohne eigene Spielstätte deutschlandweit am höchsten ist, im Vergleich zu den Kindertheatern, die Teil eines Stadttheaters sind oder auf ihren eigenen Bühnen produzieren und spielen. „Dass Künstlergruppen umherreisen, ist einerseits Tradition, andererseits auch der Ökonomie geschuldet. Das ist finanziell gewinnbringender.

In Berlin hört man zwar vor allem von den immer gleichen großen Kinder- und Jugendtheatern, wir haben hier jedoch auch sehr viele tourende Gruppen“, so Stüßel. Diese mobilen Theater sind sehr wichtig für die ländlichen Gebiete und Randstadtteile. Denn auch hier soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden, ins Theater zu gehen und an Projekten teilzunehmen.

Kinder- und Erwachsenentheater sollten auf einer Stufe stehen

Auf die Frage, welche Herausforderungen das Kinder- und Jugendtheater derzeit bewegen, ergab die Umfrage, dass das Verhältnis zwischen Schule und Theater sowie die finanzielle Sicherung und Stärkung der Szene Themen sind. Stüßel berichtet zudem, dass die Kinder- und Jugendbühnen auch auf die letzten politischen Entwicklungen antworten müssen: „Die Theater stehen nun vor der Herausforderung, sich zu positionieren und dem starken rechten Gedankengut entgegenzutreten.“

Dürfte er sich etwas für die Zukunft wünschen, wäre es zunächst einmal die Gleichbehandlung von Kinder- und Erwachsenentheater.

 

Beitragsbild: Jörg Metzner