Unser Jugendredakteur Hannes ist Poetry-Slammer und „Halts Maul“ ist eines seiner ersten literarischen Werke.

Ich hab genug von dir und deinen pubertären Problemen. Immer dieses Rumgeheule von wegen, der Tim hat mit Anni darüber geredet, ob es nicht besser wäre, wenn sich Celina von Eric trennt, weil Eric doch mal mit Felicitas zusammen war und die seitdem nichts mehr mit Celina zu tun haben will, ist vielleicht so eine Art Eifersucht, jedenfalls ist sich Celina deswegen nicht mehr sicher, ob das mit Eric Sinn macht, an sich war ja Max auch ganz süß … Was interessiert mich Max?

Trotzdem höre ich dir zu. Gucke auf die Lippen und denk mir: Halt’s Maul. Ich will nicht so tun müssen, als würde ich dir zuhören. Weil deine Augen einfach mal, also … War dein Vater Astrologe? Denn er hat dir zwei Sterne mitgebracht und sie dir als Augen geschenkt. Ich würd dir ja auch ’nen Stern schenken. Aber ich würde mit was Kleinem anfangen, einem aus dem Großen Wagen. Ist doch süß. Jeder braucht ’nen Wagen.

Ich hasse Gestört, aber Geil. Ich mag sie nicht nur nicht – jedes einzelne Bassschema treibt mir Krämpfe durch den Körper. Diese billigen „Haus-Maus“-Reime. Karten für Gestört aber Geil?
 Und ich soll mit dir dahin? Das wird so richtig romantisch? Oh Schatz … das ist … wow … also … wow … ich kann da jetzt echt nichts zu sagen …

Ich lüg dich gerne an. Du glaubst ja auch, ich mag Schuhe. Ja, Schuhe können schön sein, mein Gott, aber ich bin Rollstuhlfahrer. Wenn du mich fragst, Nike oder Adidas, antworte ich automatisch: Hauptsache, meine Thrombosestrümpfe!
Was glaubst du denn, wer ich bin? Ich will nicht über Schuhe reden, ich will was über dich wissen, nicht über dein komisches Konsumverhalten, was ich eh nie verstehen werde.

Bomberjacke? Jaaa sicher, voll mein Ding, hat ja auch sonst keiner. Ich weiß, dass du meine ehrliche Meinung nicht hören willst, das ist okay, das muss so. Denn du grinst dann immer so komisch, wenn mir etwas gefällt, was mir nicht gefällt. Das Grinsen ist es wert.

Jahre später wendet sich das Blatt. Jetzt, jetzt studierst du BWL. Muss ich dazu noch was sagen? Immerhin geht es hier um Pullunder, hässliche Röcke und sehr viel später uns zwei in widerlich beigen Trenchcoats im Partnerlook, während wir auf einer Bank vor einem See sitzen, mit trockenem Brot Enten füttern, so tun, als würden wir was für die armen Tiere tun, und insgeheim denken: Hoffentlich verreckt mein Viech als Erstes, dann hab ich wenigstens einmal Recht gehabt.

Bomberjacke ist nicht mehr. Aber wir werden aus veralteten CD-Playern Gestört aber Geil hören, bis einem von uns vor lauter Bass das Gebiss in die pürierte Ente fällt. Genau so eine bist du. Eine, bei der es mir rille ist, wie oft ich ihr Gebiss aus der Ente fischen muss.

Bild: Tube Slam Berlin, Jakob Knape