Das diesjährige Tanztreffen der Jugend läuft noch bis Freitag. Wir haben das Academy-Ensemble getroffen, das dieses Jahr Berlin vertritt.

Sie kreisen umeinander, sie hüpfen, sie strecken sich und rollen sich wieder zusammen. Eben noch ein Knäuel aus Armen, Beinen und Köpfen, läuft nun jeder wieder in eine andere Richtung. Fast sieht es aus wie ein Kampf, im nächsten Moment wie eine liebevolle Streicheleinheit. Und mittendrin steht dieses grüne Sofa.

„Kontaktimprovisation“ nennt sich diese Art der Choreografie. Sie ist spontan, im zeitgenössischen Tanzstil, bei dem es um Impulse geht, um Gewichtsverlagerungen und das Aneinander- oder An-etwas anlehnen. Die Bewegungsabläufe der Schauspieler sind so besonders, so fesselnd, dass es nur konsequent erscheint, dass das Stück den Titel „Von der Schönheit und Seltsamkeit des Anlehnens“ trägt.

„Wir wollen körperliche Intelligenz kultivieren“

Intensiv haben die Jugendlichen der Kreuzberger Bühnenkunstschule Academy Berlin das Stück in den vergangenen Tagen einstudiert. Wobei „einstudiert“ eigentlich das falsche Wort ist. Immerhin bleibt beim Improvisieren vieles dem Zufall überlassen. Das ist gut, denn es schafft Freiraum und Möglichkeiten. Andererseits sei es schwer, sich von bekannten Mustern und Choreografien zu lösen. „Macht nicht immer wieder das Gleiche“, lautet immer wieder die Anweisung.

Die Academy ist ein soziokulturelles Projekt der Alten Feuerwache Berlin, welches jährlich Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zwischen 13 und 19 Jahren in Schauspiel, Gesang und Tanz ausbildet. Drei Monate lang trainierten die erfahrenen Choreografinnen Eliane Hutmacher und Susanne Martin das achtköpfige Ensemble, das am Freitagabend die Ehre hatte, das diesjährige Tanztreffen der Jugend auf der Bühne der Berliner Festspiele zu eröffnen.

Der bundesweite Wettbewerb wurde vor vier Jahren von den Berliner Festspielen mit dem Ziel ins Leben gerufen, Tanz mit jugendlichen Amateuren als eigene Kunstform innerhalb der kulturellen Bildung zu etablieren. 80 Bewerbungen seien in diesem Jahr eingegangen, von denen die Jury sieben Produktionen kürte, die sie für besonders herausragend erachtet. Ihr Gewinn: Die Preisträger-Ensembles aus Berlin, Aachen, Dresden, Herne, Hildesheim, Mainz und Neuss wurden nach Berlin eingeladen, um ihre Stücke auf der großen Bühne des Hauses der Berliner Festspiele zu präsentieren.

„Unsere Bühne in der Feuerwache ist natürlich viel kleiner. Es ist noch einmal etwas ganz anderes, die Choreografie auf so einer großen Fläche ausführen zu müssen“, gab Academy-Produktionsleiterin Ronja Hinz zu bedenken. Und auch Tänzerin Felipa Goltz hatte Respekt vor der Premiere. „Es gab viel zu lernen“, bestätigt sie und erklärt, dass es am Anfang sehr schwierig sein könne, „sich auf der Bühne zu öffnen“, besonders wenn man sich – wie sie – zuvor eher an den Gesangskursen der Academy beteiligt hat. Aber die 18-Jährige ist, genau wie der Rest des Ensembles, bereit, alles zu geben: „Wir wollen hier körperliche Intelligenz kultivieren“, sagt sie stolz.

Sportliche Geschichtenerzähler

Und noch atmen sie ruhig, noch haben sie die Hemdsärmel nicht hochgekrempelt. Doch schon nach wenigen Minuten der Kontaktimpro werden die Jugendlichen deutlich lauter atmen und wenn man genauer hinsieht, kann man erkennen, dass ihre Gesichter nun mehr Farbe angenommen haben. Sähen ihre Bewegungen nicht so ausdrucksstark aus, als würden sie jede eine andere spannende Geschichte erzählen, könnte man das Spektakel auf der Bühne fälschlicherweise für Sport statt für Kunst halten; das grüne Sofa, um das sich alles dreht, für eine Turnmatte. Ja, deswegen machen die Performances der Tanzjugend so einen Eindruck. Es steckt viel Arbeit dahinter. Sowohl körperliche als auch geistige.

Das Tanztreffen der -Jugend läuft 
noch bis Freitag. Das Programm findet ihr auf www.berlinerfestspiele.de. Dort könnt ihr auch Tickets erwerben, die ermäßigt 6 Euro kosten.