Aufhören, wenn’s am schönsten ist? Die Gelegenheit ist lange vorbei. Aber warum bleibt Joachim Löw auch jetzt noch DFB-Trainer? Zeit für einen Neuananfang!

Lieber Herr Löw – oder darf ich Joachim sagen? Denn wir kennen uns eigentlich ja schon ganz schön lange, im Grunde mein ganzes Leben lang. Von dunklen Erinnerungen an Jürgen Klinsmann abgesehen habe ich noch keinen anderen Bundestrainer erlebt. Zusammen haben wir bis auf die Europameisterschaft alles gewonnen, was es nur zu gewinnen gibt. Du hast Miroslav Klose zum Rekordtorschützen gemacht, uns alle zum Weltmeister und mich zum Fußballfan. Ich kannte dich und die Nationalmannschaft nicht als Verlierer. 2010 hatte ich dich in sechsfacher Ausführung als Rewe-Sammelkarte.

Zwölf Jahre lang hat alles bestens funktioniert. Jetzt sind wir in der Vorrunde der WM ausgeschieden. Wenn du mich fragst, war das das Zeichen für einen Neuanfang. Fußball lebt schließlich von ständiger Erneuerung. Doch viel hat sich in der Nationalmannschaft nicht verändert. Bewusst spare ich mir an dieser Stelle den völlig ausgelutschten Merkel-Vergleich, aber gestatte mir die Frage: Warum bleibst du?

Du bist der erfolgreichste Bundestrainer aller Zeiten, eine Trainerlegende geworden und machst jetzt den altbekannten Fehler. Schon nach dem Triumph von 2014 habe ich mich gefragt, wie es denn noch besser werden sollte. Und dann bei deinem Jubiläum als Nivea-Werbegesicht – zehn Jahre, zehn! – habe ich gedacht: Ist doch langsam gut jetzt.

Olli Kahn kann auch keiner mehr sehen

Versteh mich nicht falsch, denn unter uns: Olli Kahn kann auch keiner mehr sehen. Aber so leid es mir tut, das zu sagen, mein alter Freund, es wäre das Beste gewesen, wenn unsere Wege sich jetzt getrennt hätten. Nun gut, deine Entscheidung ist schon gefallen, und na ja, wir werden uns damit arrangieren müssen.

Selbst wenn du zurückgetreten wärst, wäre die Frage geblieben, wer es sonst machen sollte. Die Suche nach dem Prometheus für den deutschen Fußball führt wohl nicht an Thomas Schneider und Marcus Sorg vorbei. Klose, der sein Langzeitpraktikum beim DFB noch nicht 
abgeschlossen hat, ist wohl auf 
lange Sicht auch eine Option. Egal, wer deinen Job dann irgendwann übernehmen wird, wie erfolgreich er – oder ganz vielleicht ja auch eine Sie? – sein wird, möge er einsehen, wann der rechte Moment ist, um abzutreten.

Beitragsbild (unverändert): Steindy (CC BY-SA 3.0)