Klartext
Ein Fußball inmitten eines Stadionplatzes

Russlandwetter: heiter bis wolkig

Letztes Mal Brasilien, nächstes Mal Katar – und jetzt: Russland. Dass die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft ohne Korruption ganz anders verlaufen wäre, ist wohl mehr als nur eine böse Unterstellung.

Anders als in Katar ist es in Russ­land immerhin nicht notwendig, für immens viel Geld umweltbedenkliche Klimaanlagen in die Stadien zu bauen. Gemäßigte Temperaturen mit etwas Regen erwarten uns laut Wetterprognose in den kommenden Wochen.

Die dunklen Wolken allerdings werden sich wohl nicht ganz verziehen, es sind zu viele: der Doping-Skandal um russische Sportler unzähliger Disziplinen, die international umstrittene ­Annexion der Krim, die Unterstützung Assads im Syrienkrieg, für die vielen die Worte fehlen, die immer wieder offenbarten Einschränkungen von Menschen- und Bürgerrechten, der mutmaßliche Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal …

Ein halber Boykott aus England

Letzterer Fall bot England übrigens Anlass für die Idee, nicht an der WM teilzunehmen, die aber schnell wieder unter britischem Fußballstolz begraben wurde. Nun ­schicken sie immerhin keine politischen Vertreter, die Isländer tun es ihnen gleich. Konsequenter sind bekanntlich Italien und die Niederlande, die fahren gar nicht zur WM. Genau wie ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt, für den die Reise leider zu gefährlich ist.

Trotz allen negativen Beigeschmacks: Im Zuge der aufwendigen Image-Kampagne ist nach den Olympischen Winterspielen nun also auch die WM nach Russland gekommen. Das Land präsentiert sich als Gewinner (5:0!) und zuvorkommender Gastgeber, aber auch mit so einigen Mängeln im Marketing. So sind viele der aufwendigen Stadionbauten nur knapp rechtzeitig fertig geworden, Korruption und unterbezahlten Gastarbeitern sei Dank. Eine Kostenexplosion und Baumängel gab’s inklusive. Und bei mir herrscht bis jetzt völlige Unklarheit über den offiziellen WM-Song. Jason Derulo, Nicky Jam feat. Will Smith, Klaas Heufer-Umlauf sind nur einige derjenigen, die meinen, sie müssten zur WM unbedingt noch einen mittelmäßigen Pop-Song zum Besten geben. Aber das ist nun wirklich das kleinste Übel – und schränkt meine Freude dann auch nicht mehr ein.

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