Auf Instagram und Facebook kann man minutenlang Mädchen und Frauen beim Streicheln ihrer neuen Wende-Pailletten-It-Pieces zusehen. Leider hat das ganze einen faden Beigeschmack. Ein Kommentar.

Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres brechen sich in den dekorativen Wende-Pailletten auf Mützen, Jacken und Pullovern. Größte Qualität der neuen Trenddekoration: Flexibilität in jeder Lebenslage. Wenn das erste Motiv nicht mehr gefällt, kann es mit einem einfachen Wisch durch ein anderes ersetzt werden. Aus „Yes“ wird „No“ und aus kariert liniert. Was hier wie eine Revolution in der Textilindustrie klingt, ermöglicht eine einfache Nähtechnik. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die kleinen Plastikplättchen in der oberen Hälfte ein Loch besitzen und mit einem Faden am Stoff befestigt sind. Durch die enge Aneinanderreihung der einzelnen Bahnen ist es möglich, zwei verschiedene Bilder durch das Hoch- und Runterklappen des Glitzers entstehen zu lassen.

Der Hype um das neue Wunder-Flitter ist jedoch nicht so leicht zu ergründen. Auf Instagram-Videos und Facebook-Posts kann man minutenlang Mädchen und Frauen beim Streicheln ihrer neuen It-Pieces zusehen. Mit verträumtem Blick oder aufgeregtem Quieken können sie dabei ihr Glück scheinbar gar nicht in Worte fassen. Der fade Beigeschmack dieser Präsentationen: Nur Glitzer macht dich schön. Dich und deinen gesamten Lebensinhalt. Frau trägt einen Paillettenpulli passend zur Paillettenhandtasche, nebenher an der Paillettenleine trippelt der winzige Hund mit Paillettenhalsband und Paillettenschühchen und daheim wird erst mal ein Instagram-Foto vor dem Paillettenwandbehang geschossen. Nicht zu vergessen: das Nachher-Bild, um den Followern das zweite hochgeklappte Muster nicht vorzuenthalten.

Ein weiterer Modetrend, der im Glanz des Sexismus schillert. Haben wir das wirklich gebraucht? Müssen sämtliche Social Media von Schimmer-Dokumentationen überschwemmt werden? Und warum zeigt sich kein Junge und kein Mann als Fan des neuen Wende-Trends?

Ein weiterer unsinniger Hype, der sich neben Regenbogen, Flamingos und groß gedruckten Firmenlogos in die Liste schräger Modetrends einreiht. Hoffentlich überrascht uns die Modeindustrie 2018 noch mit wirklich innovativen Konzepten. Wie wäre es mal mit massentauglicher Fair-trade-Mode oder Slow-Fashion?