Nun ist es vorbei. Die treue SPD-Basis hat gesprochen und die Gegner der Großen Koalition weinen am Grab des Widerstandes. Vor allem junge Menschen sind enttäuscht.

Mehr Zwerge in den Bundestag? Da sitzt schon die GroKo. Wieder hingesetzt oder einfach sitzen geblieben nicken sie sich gegenseitig zu und beklatschen das große Werk des Weiter-so. Und wollen dabei scheinbar nicht gestört werden. Denn als Kevin Kühnert anfing, die abgestandene Luft ein wenig aufzuwirbeln, wurde es plötzlich vorübergehend unbequem. Unbequem jung. Da klopften auf einmal ein 28-jähriger Kühnert, die Jusos und viele junge Menschen, die in die SPD eintraten, um gegen die GroKo zu stimmen, an die Tür des Plenums. Und die Reaktion darauf war he­rabwürdigend. Ein Alexander Dobrindt, der die Juso-Kampagne als „Zwergenaufstand“ bezeichnete, und eine Maybrit Illner, in deren Show Kühnert als Einziger geduzt wurde.

Ist das überraschend? Eigentlich nicht. Schließlich sind es die – pardon – älteren Herrschaften nicht gewöhnt, dass junge Menschen mitmachen wollen und können. Das Durchschnittsalter des Bundestages liegt aktuell bei 49,4 Jahren. Das ist älter, als meine Eltern sind. Wie soll ich mich da ­repräsentiert fühlen?

Eine Studie nach der anderen belegt, was junge Menschen schon lange spüren: Sie werden politisch nicht wahrgenommen. Auch bei Twitter schildern junge Politiker unter dem Hashtag #DiesejungenLeute ihre alltäglichen Erfahrungen damit, angeblich zu unerfahren zu sein.

Warum nimmt uns niemand als Bereicherung wahr?

Darf im hohen Hause der Politik erst mitmischen, wer graue Haare und Bock auf Rente hat? Ich kann färben, kein Problem. Nein, aber mal ehrlich: Ist das erstrebenswert? Ist Parteipolitik noch zeitgemäß? Ist sie wirkungsvoll?

Wenn ich mir diese Frage stelle, kommt mir Andrea Nahles in den Kopf, die selbst einmal Bundesvorsitzende der Jusos war, Veränderung wollte und gegen die Agenda 2010 wetterte. Jetzt wettert sie gegen die Jusos. Sie war auch jung und hat gekämpft, bis sie gehört wurde. Jetzt wird sie gehört und hört nicht mehr zu. Wollen wir das? Ich bezweifle es. Wir wollen gehört werden, bitte. Aber dafür möchte ich mir weder ein Parteibuch kaufen noch einen Sessel im Bundestag anwärmen müssen.

Beitragsfoto: Michael Kappeler/dpa