Influencerin Bibi
Influencerin Bibi

Gefangen in der Werbehöhle: Mit dem 
Influencer stirbt der freie Wille

Es ist längst zur Realität geworden, dass wir in unserem Alltag permanent „influenced“ werden. Warum auch nicht? Jugendredakteur Hannes erklärt.

Dass Influencer nicht zuletzt mit dem Anpreisen von Produkten Geld verdienen, ist hoffentlich auch beim letzten Bibi-Fan mittlerweile angekommen. Doch in letzter Zeit fluten Werbeposts regelrecht unsere Timelines und Feeds – und nicht immer sind die so plump wie: „Also mit diesem Detox-Tee ist bisher noch jeder schlank geworden. Und das Beste? Im Gegensatz zu vielen anderen Tees schmeckt der hier auch noch megasupergut! Einfach hochwischen und schon seid ihr im Shop. Danke euch, ihr Süßen!“

Doch selbst dieser wirkt trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Plumpheit echt, brennt sich in unser Gedächtnis und poppt dort regelmäßig auf wie eine Werbetafel. Die Reichweite unserer ach so geliebten Influencer macht es möglich – und die Werbewirtschaft lacht sich ins Fäustchen. Wer dermaßen unschuldig für Durchfalltees wirbt, dem muss man ja wohl vertrauen, oder? Und zack, sind wir in der Werbehöhle gefangen, ohne überhaupt bewusst reingelaufen zu sein. Ob wir wollen oder nicht, wir stehen unter dauerhaftem Einfluss. Inwiefern das gut ist, muss jeder selbst für sich herausfinden. Weil wir ja schon genug beeinflusst werden, werde ich mich hüten, an dieser Stelle mit Suggestivfragen zu arbeiten.

Manche mögen nun entgegnen wollen, die Werbung, die in unsere Feeds gespült wird, sei ja personalisiert. Toller Service, sozusagen. Schließlich entscheiden wir ja selbst, wen wir abonnieren, wessen Inhalte, wessen Tees. Aber ist nicht genau das das wahrhaft Perfide? Dass wir immer und überall „influenced“ werden, stört gar nicht mehr, ist ja normal geworden. Und wer weiß, vielleicht gefällt uns ja, was da in unseren Kopf gepflanzt wird.

Die Frage ist nur: Wir ist es angesichts dessen noch um den freien Willen bestellt? Haben wir überhaupt noch eine Wahl, bewusst zu entscheiden, von wem und was unser Leben mitbestimmt wird, wenn wir stetig unbewusst torpediert werden? Wie bei einem Kleinkind im Spielzeugladen entsteht eine ganz einfache Reflexkette: Seh ich – will ich – brauch ich – hab ich. Es steht schlecht um unsere Freiheit. Und so wird es in den Geschichtsbüchern bald heißen: Der Influencer ist des Denkens Tod – und das wegen Detox-Tee!

Foto: YouTube

Kategorien Klartext Medien Social Media

Ich bin Hannes, 17. Zwischen, Koffein, Misanthrophie, Philosophie und Augenringen findet sich irgendwo meine rebellierende Ader, mein Schreibspleen, der immer wieder nach Ausdruck verlangt. Schreiben ist für mich wie Tourette. Man kann es versuchen zu unterdrücken, aber irgendwann bricht es sich doch Bahn. Leise war ich eh nie. Aufbegehren wurde mir gewissermaßen anerzogen. Und somit bin ich im Journalismus gelandet. Denn dort kann ich aufbegehren und wenn ich Glück habe, wird das Ganze sogar gelesen. Eine optimale Mischung für einen Menschen, der gehört werden will.