Irgendwann kommt es auf uns alle zu: das sehnlichst erwartete Klassentreffen! Doch wer plant hinzugehen, sollte seine hohen Erwartungen besser runterschrauben.

Das Klassentreffen ist fast schon ein Klassiker in der Hobby-Sozialforschung: Erwachsene Menschen, die ein bis dato unbeschwertes Leben geführt haben, verabreden sich mit ehemaligen Mitschülern, von denen sie sich während der Schulzeit sowieso nur mit einem kleinen Teil verstanden haben. Sie tun das an einem Samstagabend, an dem sie auch netflixen oder um die Häuser ziehen könnten. Man trifft sich in einer muffigen Gaststätte, die extra angemietet wurde. Hurra!

Auch in den vergangenen Wochen fanden in Berlin wieder zahlreiche solcher Treffen ehemaliger Schulbankdrücker statt. Ungeübte Klassentreffen-Gänger treffen zumeist mit hohen Erwartungen in besagter Gaststätte ein. Seit Wochen haben sie von ihrem Auftritt an jenem Abend geträumt: Was ziehe ich an? Wie kaschiere ich Falten? Gibt es eine positive Umschreibung für die Lücke im Lebenslauf? Besonders aber sind sie gespannt auf die anderen Gäste und deren Outfits, Falten und Lebenslauflücken.

Ich kann mich aus meinen Beobachtungen vielleicht nicht ganz ausnehmen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Klassentreffen der reinen Befriedigung von Neugierde, schlimmstenfalls als Ego-Push, dienen sollen. Am Ende ist das dann allerdings weitaus weniger bereichernd als gedacht.
Nicht nur aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der ellenbogenbetonte Wettkampf, den einige in der Schulzeit führen, auch Jahre später nicht vorbei ist. Sich über berufliche Erfolge – oder was man unter solchen versteht – zu definieren, ist aber nicht nur unbequem und nervig. In meinen Augen ist es auch ein Ausdruck charakterlicher Mittelmäßigkeit.

Kurz nach meinem Klassentreffen las ich irgendwo, Veranstaltungen dieser Art seien für die breite Mitte gedacht. Laut Verfasser des Textes kämen die „wahren Gewinner und Verlierer“ des Jahrgangs nämlich sowieso nicht. Auch wenn ich die Aufteilung in Gewinner und Verlierer etwas problematisch finde, kann ich der Theorie nur beipflichten: Wer plant, auf ein Klassentreffen zu gehen, sollte seine Erwartungen runterschrauben. Die bunten Vögel, Computer-Nerds und Visionäre, die man damals belächelte, werden nicht da sein. Und die haben ja alles erst spannend gemacht.

Hattet ihr schon ein Klassentreffen? Und wenn ja: Wie angenehm oder unangenehm war es? Verratet es uns in einem Kommentar.

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