Unsere Generation wird gerne als beziehungsunfähig deklariert. Doch wie wir mit potenziellen Partnern umgehen, liegt nicht in unseren Genen, weiß unsere Autorin.

Von Laura Krüger, 22 Jahre

Als meine Freundin jemand Neuen kennengelernt hat, war sie sofort hin und weg. Drei Wochen lang war er das Hauptthema unserer Gespräche. Dann war es vorbei. Einfach so. Als ich sie trösten wollte, sagte sie nur schulterzuckend: „Nicht so schlimm. Es wäre sowieso nichts Ernstes daraus geworden. Wir sind ja Generation Beziehungsunfähig.“

Bitte was? Gut, wir definieren Liebe und Beziehung sicherlich anders, als unsere Eltern oder Großeltern es getan haben. Aber deshalb sind wir doch noch lange nicht beziehungsunfähig! Das ist nur eine weitere Ausrede, um nicht zugeben zu müssen, dass es schade ist, dass es nicht funktioniert hat, um sich emotional weiter zu vergraben und bloß nicht sagen zu müssen, dass wir es bei all den Oberflächlichkeiten heutzutage auch mal schön finden würden, wenn aus einer unverhofften Bekanntschaft eine tiefere Bindung entsteht. Nur weil es diesmal nicht funktioniert hat, heißt das nicht, dass niemals jemand vorbeikommen wird, mit dem es doch noch funktionieren könnte.

„Wir sind nicht von Geburt an verkorkst.“

Ich will damit nicht sagen, dass jeder Mensch nach einer Beziehung strebt. Oft hat man dafür gar keinen Nerv oder will sich einfach für eine Weile alle Möglichkeiten offenhalten. Aber auch das macht uns nicht zu prinzipiell bindungsunfähigen Menschen.

Wir verstecken uns hinter diesem Klischee, nutzen es als Ausrede für verpatzte Beziehungen. Wir möchten uns selbst glauben lassen, unser Schicksal, niemals den Passenden finden zu können, sei schon längst besiegelt. Und dass wir ohnehin nichts dagegen tun könnten.

Statt uns hinter Vorurteilen zu verstecken, sollten wir uns vielleicht einmal genau fragen, woran unsere letzte Beziehung tatsächlich gescheitert ist. Vielleicht war er ja einfach egoistisch, zu unordentlich, zu unhöflich, zu rechthaberisch oder zu oberflächlich? Und selbst so jemandem darf man mal hinterhertrauern. Das ist völlig in Ordnung. Wir sind nicht von Geburt an verkorkst.

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