Die Senatsbildungsverwaltung will das Fremdsprachenangebot an Schulen ausbauen. Lediglich für unsere holländischen Nachbarn scheinen sie nicht viel übrig zu haben. Ihre Sprache wird künftig nicht mehr in Berlin gelehrt. Das ist aus mehrerlei Hinsicht schade und falsch. Ein Kommentar.

Berlin ist international, keine Frage. Aufmerksame Spaziergänger können im Stadtzentrum an jeder Ecke einer anderen Sprache lauschen. Ein Blick in das Lehrangebot der Grund- und Oberschulen zeigt, dass sich an die stetig steigende Nachfrage nach Sprachkursen auch angepasst wird. Französisch und Latein als zweite Fremdsprache sind nichts Besonderes. Daneben gibt es Oberschulen, die Japanisch, Portugiesisch, Italienisch und Polnisch anbieten. Nur eine Landessprache wird an den Berliner Schulen bald nicht mehr unterrichtet: Niederländisch.

Obwohl die Senatsverwaltung den Ausbau der Fremdsprachenangebote an den weiterführenden Schulen fördern will, wurde nun bekannt, dass an der Gail S. Halvorsen-Sekundarschule in Dahlem ab diesem Schuljahr kein Niederländisch unterrichtet wird. Das Lehrangebot war Teil eines Schulversuchs, der nun nicht verlängert wird.

Als Studentin der Niederländischen Philologie bedauere ich diese Entscheidung sehr. Zum einen, weil ich eine große Leidenschaft für das platte Land unter dem Meeresspiegel hege, und zum anderen, weil mit jeder nicht unterrichteten Sprache auch ein Stück Vielfalt abhandenkommt. Eine Sprache sprechen zu lernen, bedeutet eine Brücke zu schlagen zwischen der eigenen und einer fremden Kultur. Es heißt, andere Traditionen und landestypische Eigenheiten kennenzulernen und sich ein Stück frei zu machen von Vorurteilen. Denn entgegen vieler Annahmen bestehen die Niederlande nicht nur aus Frikandeln, Chocomel und Haschisch.

Zudem ist es im Schulalltag viel leichter, eine Sprache zu lernen, als später im Arbeitsleben. Durch den festen Wiederholungsrhythmus eines Stundenplans, abgestimmte Lehrbücher und Hausaufgaben sind perfekte Bedingungen für einen guten Erwerb der Sprache geschaffen. Natürlich können Interessierte an den Berliner Volkshochschulen einen Niederländisch-Kurs belegen, doch dass lässt sich weder mit dem Ganztagsbetrieb noch der Kursphase während des Abiturs vereinbaren.

Mir stellt sich außerdem eine grundlegende Frage: Ist noch niemandem aufgefallen, wie gut Niederländer deutsch sprechen? Niederländisch als Schulfach abzuschaffen ein Zeichen für pure Ignoranz.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa