Am Donnerstag ist Kinostart von „Paddington 2“. Auch im zweiten Teil der britischen Filmkomödie schlüpft Hugh Bonneville wieder in die Rolle des Familienvaters Mr. Brown.

Zur Deutschlandpremiere trafen wir den britischen Schauspieler und sprachen mit ihm über seine Zeit bei „Downton Abbey“, die Hürden des Erwachsenwerdens und vollgefressene Bären.

Von Tanja Ransom, 27 Jahre

Paddington ist ein animierter Bär. Wie war das während des Drehs? Mit wem hast du gesprochen?
Zuerst einmal: Man könnte meinen, der Bär sei animiert. Aber er ist echt. Manchmal, wenn er zu viel Marmeladenbrot gegessen hat, muss er sich wegen des Zuckerrausches hinlegen (lacht). Im Ernst: Eine Schauspielerin, Lauren, die etwa so groß wie Paddington war, schlüpfte in seine Rolle. In einigen Aufnahmen sind Paddingtons Bewegungen ihren nachempfunden. Manchmal hatten wir auch einen Stock, der etwa so hoch war wie Paddington. Er wurde dann weggenommen und man musste sich die Höhe merken. Vor allem bei dem Dreh des ersten Films fühlte es sich komisch an, ich hatte das davor noch nie gemacht. Doch als ich später sah, wie hervorragend der Bär animiert war, konnte ich es mir wesentlich besser vorstellen. Schauspielerei heißt auch, Vorstellungskraft zu nutzen, die der anderen, aber auch die eigene. Man muss sich an einem Set mit 200 Menschen vorstellen können, dass es nur dich und mich gibt – oder eben nur mich und einen Bären.

Mr. Brown, der Charakter, den du spielst, ist gerade am Anfang seinen Kindern gegenüber streng und überfürsorglich. Ist er ein guter Vater?
Mr. Brown macht eine Entwicklung durch. Er lernt lockerer zu werden und auch loszulassen – durch Paddington. Es ist wie bei einem Drachen: Wenn man die Schnur zu fest zieht, wird der Drachen nicht gut fliegen. Diese Lektion ist für Mr. Brown wichtig – genauso wie für alle Eltern.

Wie Mr. Brown im Film hast auch du einen Sohn im Teenageralter. Was denkst du über diese Generation und gibt es etwas, was du an Menschen in dem Alter nicht verstehst?
Vieles war schon genauso, als ich in diesem Alter war: Meine Eltern mussten mich fragen, wenn sie den Videorekorder bedienen wollten. Heute frage ich meinen 15-jährigen Sohn, wenn es um eine Spielkonsole oder mein Smartphone geht. In 30 Jahren wird dann mein Sohn sein Kind nach der neusten Technologie fragen und zur Antwort bekommen: „Oh Dad, das ist doch so einfach“ oder „Gib her“. Ich denke, es ist der Job eines Teenagers, seine Eltern als technisch unbegabt, nervig und ignorant wahrzunehmen. Dieses Gefühl: Wenn man sich von seinem Freund oder seiner Freundin trennt, dann kann das außer dir niemand verstehen und natürlich am wenigsten deine Eltern. Das gehört einfach dazu, wenn man das Nest langsam verlässt. Da unterscheiden sich die Generationen nicht.

Das Interview mit Elyas M’Barek, der die deutsche Stimme von Paddington spricht, findet ihr hier.

Nicht nur in Paddington, sondern auch in der Serie Downton Abbey, aus der dich viele unserer Leser kennen, spielst du einen Vater. Fluch oder Segen?
Eigentlich wollte ich Mrs. Brown in Paddington spielen, ich habe eine große Bandbreite (lacht). Es gab diesen Moment vor zehn Jahren. Mein Manager rief an und bot mir eine Rolle als Vater in einer TV-Show an. Und ich sagte: „Wie meinst du das, ich möchte doch den Sohn spielen, schau mich an, ich bin doch jung.“ Und er erwiderte: „Du bist jetzt alt genug, um Väter zu spielen.“ Das ist an sich nicht schlecht und gehört dazu. Es wird eine Zeit kommen, hoffentlich noch nicht zu bald, dann werden mir Rollen als Großvater angeboten.

Und wie haben sich deine Rollenangebote durch den Erfolg von Downton Abbey verändert?
Für die ganze Besetzung war die Serie eine tolle Erfahrung und öffnete viele Möglichkeiten für uns alle. Wir sind da dankbar. Ohne dieser Serie hätte ich bestimmt viele Rollen nicht bekommen. Ich hätte keinen Film mit George Clooney gemacht und wäre heute nicht der Adoptivvater eines Bären.

Welches Projekt hat dir in deiner langen Karriere bisher am meisten Spaß gemacht und wieso?
Da gab es mehrere. Viele kleinere Theaterstücke. Eine der schönsten Erinnerungen ist Notting Hill vor etwa 20 Jahren. Es war toll mit Hugh Grant, Julia Roberts und der Besetzung zu arbeiten. Es war einer meiner ersten größeren Filme und ich kann mich an jeden einzelnen Tag erinnern, weil es so lustig war.

Und andersherum, welche Rolle hättest du im Nachhinein lieber nicht angenommen?
Ich habe die schlimmsten Erfahrungen aus meinem Gedächtnis verbannt. Ganz so, wie wenn man sich ein Bein bricht oder mit dem Kopf gegen eine Wand läuft: Es ist großartig, wenn der Schmerz aufhört und dann vergisst man das Ganze. Doch natürlich gab es auch mehrere schlechte Projekte. Ich habe einmal einen TV-Job einfach nur wegen des Geldes gemacht. Heute habe ich das Glück, dass mir wundervolle Projekte von tollen Menschen angeboten werden.

Denkst du, dass es junge Schauspielerinnen und Schauspieler heute schwerer haben, berühmt zu werden, als zu der Zeit, als du mit der Schauspielerei angefangen hast?
Heute kann jeder mit Social Media oder Reality-Shows berühmt werden. Mich hat das nie interessiert. Ruhm war ein irrelevantes Nebenprodukt. Ich wollte damals nicht berühmt, sondern ein guter Schauspieler werden. Viele verwechseln das heute. Doch es ist aufregend, dass man jetzt so einfach Filme auf seinem Handy machen kann. Jeder kann und sollte Geschichten erzählen, denn das unterscheidet uns von Tieren: Vorstellungskraft, Perspektiven und die Möglichkeit, uns gegenseitig zu erreichen.

Foto: Studiocanal