Am Donnerstag startet „Paddington 2“ in den Kinos. Seine deutsche Stimme bekommt der niedliche Bär erneut von „Fack ju Göhte“-Star Elyas M’Barek, der derzeit zu den bekanntesten Schauspielern Deutschlands zählt. 

Wir trafen Elyas noch vor Kinostart zum Interview in Berlin und sprachen über seine Rollenwahl, Kindheitshelden und Zukunftspläne.

Von Tanja Ransom, 27 Jahre & Friederike Deichsler, 21 Jahre

Paddington ist für viele ein Kindheitsheld. Bist du auch mit ihm aufgewachsen?
Nein, ich kannte ihn zu der Zeit gar nicht. Ich war eher Benjamin-Blümchen-Fan. Prinz Eisenherz fand ich auch cool, das waren Comics.

Du hast auch schon andere Figuren synchronisiert. Ist das schwieriger als Schauspielerei?
Das ist gar kein Unterschied. Es ist ja dieselbe Arbeit, nur dass man dabei nicht gefilmt wird. Man spart sich Masken- und Kostümzeit, denn es ist völlig egal, wie man aussieht. Es geht wirklich nur um die Stimme und das, was man damit macht.

Viele werden wahrscheinlich deinetwegen ins Kino gehen. Wie ist es für dich, wenn nur deine Stimme mit dem Erfolg eines Films verknüpft ist?
Das ist mir ja bewusst, wenn ich so etwas mache. Paddington kann selbst keine Interviews geben und einen Film vermarkten. Es ist im Animationsfilm-Genre gängig, dass die Figuren mit Schauspielern besetzt werden, die man kennt und mit denen man etwas assoziiert. Mir macht das unglaublich viel Spaß. Paddington ist die tollste Figur, die ich je sprechen durfte. Insofern freue ich mich, dass mein Name unter dem Plakat steht und mit so einer tollen Marke wie Paddington, der in England eine Art Nationalheld ist, verbunden wird. Ich mag die liebevolle Art, dass Paddington an das Gute glaubt und so höflich ist. Ein angenehmer Zeitgenosse. Er hat nichts Böses an sich.

Richtig, Paddington gilt als sehr höflich. Du spielst oft den Bad Boy. In welcher Rolle siehst du dich am liebsten?
Es gibt keine, in der ich mich besonders gerne sehe. Ich spiele das, was ich gerne spielen möchte. Das ist ja das Schöne an dem Beruf, dass es gar nichts mit der eigenen Person oder mit dem zu tun haben muss, was man selbst präferiert. Es ist Schauspiel. Eigentlich sind die Rollen, die am wenigsten mit einem zu tun haben, die interessantesten.

Siehst du es als problematisch an, dass du oft ähnliche Typen spielst?
Wenn mir eine Rolle oder vor allem ein Film zusagt, dann freue ich mich in erster Linie über diese Möglichkeit. Ich unterscheide nicht zwischen gut und böse oder zwischen cool und uncool, sondern der Film und die Rolle an sich müssen mir Spaß machen. Ich muss irgendwas darin sehen oder es gerne selbst auf der Leinwand sehen wollen.

Fällt dir spontan eine Rolle ein, die du noch nicht gespielt hast, die dich aber reizen würde?
Nein.

Könntest du dir auch Regiearbeit oder Drehbuchschreiben vorstellen?
Da gibt es momentan keinen Bedarf. Es gibt tolle Leute in Deutschland, die können das bestimmt viel besser als ich. Man sollte bei dem bleiben, was man tut. Ich weiß nicht, was in ein paar Jahren ist, aber aktuell bin ich mit der Schauspielerei voll ausgelastet und habe nicht das Gefühl, mich in andere Gebiete vorwagen zu müssen.

 

Ende Oktober „Fack ju Göhte“, jetzt „Paddington“, im Dezember „Dieses bescheuerte Herz“ – alles Filme mit dir. Wird dir das manchmal zu viel?
Eigentlich gar nicht. „Paddington“ war relativ schnell gemacht, da waren wir eine Woche im Synchronstudio. Dieses Jahr habe ich nur „Fack ju Göhte“ gedreht, „Diese bescheuerte Herz“ schon im letzten Jahr. Es ist eher Zufall, dass die Filme so kurz nacheinander starten, aber auch schön. Dafür kommt dann erst mal lange nichts.

Findest du es also gut, dass die Filmstarts so nah beieinander liegen?
Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Das machen andere Leute, die wissen, wann man Filme startet. Jetzt ist auf jeden Fall eine bessere Zeit als im Sommer, ich gehe auch viel lieber ins Kino, wenn es draußen nicht so schön ist. „Das bescheuerte Herz“ ist beispielsweise ein totaler Weihnachtsfilm, da macht es Sinn, dass er kurz vorher startet.

Kannst du dir vorstellen, dass es deinen Fans zu viel wird, wenn jetzt mehrere Filme mit dir anlaufen?
Ich glaube, nicht. Es ist jedem freigestellt, ins Kino zu gehen. Wenn es jemandem zu viel sein sollte, dann wird er sich den Film nicht angucken. Dazu muss ich sagen, es gibt andere Kollegen, die wesentlich mehr drehen. Da bin ich tatsächlich einer von der faulen Sorte, wenn man es so betrachtet.

In Hollywood gibt es momentan die Debatte um sexuelle Übergriffe. Muss in der deutschen Filmindustrie mehr über das Thema gesprochen werden?
Das betrifft nicht nur die Filmbranche. Es ist leider in jedem Beruf, in dem es um Macht geht, und überall, wo Leute ihre Position ausnutzen oder Macht über andere Menschen ausüben können, ein Thema. Ich habe es selbst noch nie erlebt, aber es tut mir leid für alle Betroffenen.

Foto: STUDIOCANAL