„Seit dem Studium zocke ich viel weniger“: Was machen Game-Design-Studenten eigentlich den ganzen Tag?

Computerspiele kann man nur als Informatiker entwickeln? Spieleentwickler sitzen den ganzen Tag nur vorm PC und zocken?

Heute ist Tag der Videospiele. Julietta Hofmann studiert gerade Game-Design im 2. Semester an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft – und hat uns einen Einblick in ihren Unialltag gegeben.

Interview: Tamina Grasme, 21 Jahre

Am meisten interessiert uns natürlich: Sitzt du jetzt den ganzen Tag am PC und zockst?
Wir spielen nur, um unsere oder andere Prototypen zu testen. Denn meist fallen einem Fehler sonst gar nicht auf. Daher ähnelt mein Alltag in den ersten zwei Semestern dem aller anderen Studenten: Wir haben einen vorgeschriebenen Stundenplan und besuchen Kurse zur Grundlehre der Gestaltung, des Spiels und der Spieltechnik. Ich hatte in der Schule keinen Informatikunterricht, Programmieren konnte ich nicht. Das ging etwa der Hälfte meiner Kommilitonen so. Deshalb wird dir in den Kursen alles beigebracht, was du brauchst. Unsere Tage sind immer sehr lang – bis spät nachts in der Uni an Projekten zu sitzen, ist für mich normal. Während dieser Projekte erarbeiten wir in Gruppen einzelne Levels oder gar ein ganzes Spiel. Meist werden nur grobe Rahmenbedingungen vorgegeben, und über den Rest, wie zum Beispiel das Thema des Spiels, können wir frei entscheiden. Hier kann jeder Student seine persönlichen Fähigkeiten und Interessen einbringen. So übernimmt einer die künstlerische Entwicklung der Figuren, einer programmiert den Spielablauf. Trotzdem muss jeder Student alles können. Ab dem 3. Semester kann man sich dann spezialisieren, auf Systemdesign oder Character ­Design. Schließlich muss man im 5. Semester ein Fachpraktikum in der Richtung seiner Wahl absolvieren.

Das klingt nach einem aufwendigen Studium. Bleibt denn da noch Zeit für Freunde – und Computerspiele?
Es stimmt schon, dass man weniger Zeit für seine Familie und Freunde hat. Aber zum Glück gibt es noch die vorlesungsfreie Zeit, in der man dann einiges nachholen kann. ­Außerdem haben wir eine tolle Community. Weil wir nur ungefähr 40 Studenten pro Jahrgang sind, haben wir hier sehr familiäre Verhältnisse an der Hochschule – auch zu unseren ­Dozenten. Computerspiele spiele ich deutlich seltener als vor dem ­Studium. Nicht nur aufgrund der ­beschränkten Freizeit, sondern auch weil man Spiele jetzt viel kritischer betrachtet, höhere Anforderungen hat.

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Game-Design zu studieren?
Mein älterer Bruder hat mir davon erzählt. Wir haben beide ziemlich viel Videospiele gespielt und daher hatte ich schon eine gewisse Affinität dazu. Mich interessierte aber auch schon vor dem Studiengang wie so ein Spiel überhaupt entsteht. Ich habe mich im Internet belesen, wie und wo man Game Design studieren kann und woraus dieser Studiengang denn eigentlich besteht. Oft gibt es diesen Studiengang in Deutschland nicht, besonders wenn man nicht an einer privaten Hochschule studieren möchte. Hier in Berlin klangen schon die Modulbeschreibungen toll. Die angebotenen Kurse passten genau zu meinen Interessen.

“Es geht bei Game-Design nicht darum, Spiele zu spielen, sondern Spiele zu machen.”

Und das kann einfach jeder studieren?
Jeder, der eine Hochschulzugangsberechtigung hat, kann theoretisch Game Design an der HTW studieren. Da man allerdings zu Beginn einen Eignungstest bestehen und eine Hausaufgabe einreichen muss, bietet es sich schon an, wenn man entweder künstlerische, handwerkliche oder computertechnische Fähigkeiten mitbringt. Eine gewisse Affinität zu Computerspielen schadet bestimmt auch nicht. Allerdings es geht in dem Studiengang nicht darum Spiele zu spielen, sondern Spiele zu machen!

Du hast schon an vielen Spielen mitgearbeitet. Was für welche magst du besonders?
Einen Lieblingsspieltyp habe ich nicht. Wir haben hier auch früh gelernt, dass es nicht darum geht, das eigene Traumspiel zu entwickeln. Stattdessen machen wir in jedem Projekt immer wieder ganz andere Sachen. Immerhin entwickeln wir die Spiele nicht für uns, sondern für andere. Diese Vielfältigkeit finde ich an dem Studiengang so interessant. Weil sich die Hochschule den aktuellen Spieltrends anpasst, haben wir in den höheren Semestern neben 2D- und 3D-Spielen auch Kurse zu Virtual Reality. Doch nicht nur digitale Spiele entwickeln wir hier. Im ersten Semester hatten wir auch Übungen zu analogen Brettspielen. Es ist eben nicht nur am Rechner hocken. Neulich saßen wir in einem Berliner Park und haben uns im Zeichnen geübt. Handwerkliche Fähigkeiten wie das Modellieren von Figuren sind für einen Game Designer auch sehr wichtig.

“Es gibt Studenten, die schon ihre Spielideen auf den Markt bringen und damit ihr Geld verdienen.”

Wie geht es denn danach für einen Absolventen weiter?
Nach dem Bachelor kann man sich um Jobs in größeren Studios bewerben oder selbst ein kleines Studio eröffnen. Es gibt bei uns auch ­Studenten, die schon während ihrer Studienzeit ihre Spielideen mithilfe von Studios auf den Markt bringen und damit ihr Geld verdienen. Ich möchte jedenfalls nach dem Bachelor weiter in der künstlerischen Gestaltung und der Entwicklung von Figuren arbeiten.

Gibt es denn einen ultimativen Tipp, den du zum Schluss an Interessiere geben würdest?
Ihr solltet euch auf jeden Fall gründlich über die Studieninhalte informieren! Es geht bei Game Design nicht darum spiele zu spielen, sondern Spiele zu machen. Das ist ganz wichtig. Ansonsten sollte man schon ein gewisses Interesse an Computerspielen haben und seine künstlerischen, handwerklichen oder computertechnischen Fähigkeiten vorher zu üben, schadet auch nicht.

Mehr Informationen zur Bewerbung und zum Studiengang Game-Design findet ihr hier.

Foto: Julietta Hofmann

Kategorien Interview Schule & Zukunft Uni & Ausbildung

Wenn ich, 22, eine Top 5-Liste mit Sätzen, die ich in den vergangenen drei Jahren am häufigsten gehört habe, aufstellen würde, wäre „Was wird man denn so nach einem Geschichtsstudium?“ ganz weit oben vertreten. Zum Glück habe ich mittlerweile eine Antwort darauf gefunden: Journalistin. Darauf gekommen bin ich durch das Lesen von Harald Martensteins Artikeln, der selber Geschichte studiert hat. Von ihm habe ich auch meinen neuen Zukunftsplan: einfach immer schreiben. Genau das mache ich jetzt hier bei Spreewild, nachdem mir mein Praktikum in der Jugendredaktion so gut gefallen hat.