Vor drei Jahren stürzte in Bangladesch eine Fabrik ein. Die Opfer sind uns näher, als wir denken

Mehr als 1 000 Textilarbeiter kamen ums Leben, als am 24. April 2013 ein Fabrikgebäude in Sabhar einstürzte. Mehr als 2 000 Menschen wurden zum Teil so schwer verletzt, dass sie heute nicht mehr arbeiten können. Ich wusste damals nicht mal, wo Bangladesch überhaupt liegt. Das Unglück kam mir sehr weit weg vor. Doch meine Eltern sagten mir, dass unter den Opfern jemand gewesen sein könnte, der meine Kleidung genäht hatte. Vielleicht trage ich gerade in diesem Moment ein T-Shirt, das in dieser Fabrik hergestellt wurde. Also ist Bangladesch doch ganz nah.

In einem Bericht über das Unglück wurde gesagt, dass die Risse im Gebäude schon vor dem Einsturz entdeckt wurden. Trotzdem wurden die Menschen gezwungen, weiterhin dort zu arbeiten. Sie hatten gar keine andere Wahl: Ohne ihre Arbeit konnten sie sich und ihre Familien nicht ernähren. Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es ist nur doppelt so groß wie das Bundesland Bayern, hat aber doppelt so viele Einwohner wie ganz Deutschland. Unglaublich viele Menschen brauchen Arbeit und sie nehmen jeden Job an, um zu überleben. Dabei ist es egal, ob er gefährlich ist oder sehr schlecht bezahlt wird. Oft müssen auch die Kinder der Familien mitarbeiten, weil das Geld einfach nicht reicht. Nicht mehr als 58 Euro erhalten die Textilarbeiter in einem ganzen Monat. Das sind zwei Euro für 12 bis 16 Stunden schwerer Arbeit am Tag. Freie Tage zur Erholung gibt es nicht. Wer krank wird und nicht arbeiten kann, erhält auch kein Geld. Mitleid spielt keine Rolle. Die Arbeiterinnen und Arbeiter können sich kaum wehren. Wer protestiert, wird sofort gefeuert. Es gibt ja genug andere Menschen, die die Arbeit sofort haben wollen.

Für teure Sachen bekommen die Näherinnen auch nicht mehr Lohn

Im Filmbericht wurden auch Besitzer von Textilfabriken befragt. Die erzählten, dass sie nur dann die Aufträge der großen – oft auch europäischen – Mode-firmen erhalten, wenn sie sehr schnell und sehr billig produzieren können. Die Mode ändert sich andauernd und die T-Shirts, Hosen oder Jacken für den neuesten Trend müssen in kürzester Zeit in Europa in den Geschäften hängen, damit wir sie kaufen können.

Vergitterte Fenster, rissiger Beton: Ein schöner Arbeitsort sieht anders aus. Foto: picture alliance/Suvra Kanti Das

Vergitterte Fenster, rissiger Beton: Ein schöner Arbeitsort sieht anders aus. Foto: picture alliance/Suvra Kanti Das

Menschen, die die schlechten Lebensbedingungen der Arbeiter in den Textilfabriken verbessern wollen, haben es nicht leicht. Denn es macht kaum einen Unterschied, ob man teure oder billige Kleidung kauft. Für teure Sachen bekommen die Näherinnen auch nicht mehr Lohn, nur die Modefirma verdient mehr. Mit etwas Aufwand kann man jedoch herausfinden, wo man umweltfreundliche und fair produzierte Stücke bekommt. Je mehr Menschen dort einkaufen, desto mehr werden die Modefirmen unter Druck gesetzt, für bessere Bedingungen in ihren Fabriken zu sorgen.

Ich habe, während ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, gelernt, dass das Unglück in Bangladesch etwas mit uns hier zu tun hat. Die Art und Weise, wie wir uns bisher gedankenlos verhalten haben, hat dazu beigetragen, dass die Menschen dort in solch schlechten Verhältnissen leben müssen. Bislang habe ich mich nur darum gekümmert, wie gut mir Klamotten stehen. Und wenn sie noch billig waren, umso besser! T-Shirts, die nur ein paar Euro kosten, hatten für mich keinen besonderen Wert. Ich habe nun begriffen, dass genau dieses Verhalten verantwortungslos ist und noch zu weiteren Unglücken führen kann. Wenn man das nicht will, muss man sich ändern. Sofort.

Von Ella Tarrago, Klasse 5a, Grundschule am Kollwitzplatz