Der Berlin Marathon wurde nicht vollständig abgesagt - fand jedoch ohne Zuschauer oder begleitende Bands statt.
Interview

Der Berlin Marathon 2020 – (k)ein Ding der Unmöglichkeit

Der diesjährige Berlin Marathon konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden. Die 20-jährige Katharina Gips ist zusammen mit ihren Trainingskameraden trotzdem auf der Originalstrecke gelaufen. Im Interview berichtet sie von der Erfahrung und gibt Auskunft über die Zukunft des Laufsports in Zeiten von Corona.

Von Julia Sauer

Vor kurzem hätte eigentlich der jährliche Berlin Marathon stattgefunden. Normalerweise reisen dafür über 40.000 Teilnehmende aus aller Welt an – und werden von rund einer Million Zuschauer angefeuert. Doch das Verbot von Großveranstaltungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie machte dies 2020 unmöglich. Die 20-jährige Katharina Gips, Studentin der Ernährungswissenschaften, ließ sich davon nicht beirren. Sie ist zusammen mit ihren Trainingskameraden auf der Originalstrecke gelaufen. Wir haben mit ihr über den Laufsport, seine Gegenwart in der Corona-Krise und seine Zukunft unter Pandemiebedingungen gesprochen.

Katharina, was gefällt dir besonders am Laufsport?
Das ist eine Kombination aus vielen verschiedenen Dingen! Einerseits mag ich die Aktivität an der frischen Luft und die Vielfältigkeit des Trainings, andererseits motiviert mich das ständige Erreichen neuer Ziele und Dinge, die man vorher für unmöglich gehalten hat.

…wie zum Beispiel?
Mein erster Platz bei einem Lauf in Brandenburg. Trotz eigentlich fehlender Form nach einer Verletzungspause, konnte ich den Lauf und als Preis zwei Hotelübernachtungen und einen großen Pokal gewinnen. Das war bisher mein größter läuferischer Erfolg.

Apropos Erfolg: Bist du schon mal einen Marathon gelaufen?
Ja, bereits zwei Mal. Ich habe 2017 und 2018 am Berlin Marathon teilgenommen. 2019 hatte ich einen Startplatz, konnte aber verletzungsbedingt leider nicht starten.

Mit Beginn der Corona-Krise im März wurden alle Freizeit-Lauf-Events abgesagt. Wie hast du es geschafft, dich weiter zum Laufen zu motivieren?
Da ich zu Beginn der Pandemie erst wieder mit dem Laufen angefangen habe, war mein Ziel vor allem, meine Form wiederzubekommen. Doch auch die Hoffnung auf die Laufsaison 2021 hat mich motiviert. Auch wenn es vielleicht noch eine Weile dauert, bis alle Läufe wieder wie gehabt stattfinden können, denke ich, dass man die Zeit effektiv nutzen sollte, um noch stärker in die nächste Laufsaison starten zu können.

Keine anfeuernden Zuschauenden, keine Bands, aber ein starker Gruppenzusammenhalt

Auch der Berlin-Marathon 2020 wurde abgesagt. Warum hast du dich trotzdem entschieden, einen großen Teil der Strecke zu laufen?
Ich wollte die Läufer meiner Trainingsgruppe unterstützen, die den gesamten Marathon gelaufen sind, und bin deswegen bis Kilometer 27 mit ihnen gelaufen.

Was war noch anders als bei deinen vorherigen Marathons?
Die Stimmung an der Strecke fehlte auf jeden Fall. Normalerweise wird man die gesamten 42 Kilometer lang angefeuert und von vielen Bands musikalisch begleitet. Dieses Jahr gab es nur eine Handvoll Menschen, die uns angefeuert haben und die musikalische Begleitung erfolgte durch ein Radio, welches am Fahrrad befestigt war. Aber der Zusammenhalt der Gruppe war dieses Jahr stärker. Die letzten Jahre ist jeder für sich alleine gelaufen, um seine gewünschte Zielzeit zu erreichen. Dieses Jahr ging es nicht um die Zeit, sondern vielmehr um das gemeinsame Zurücklegen der Strecke.

Wie beeinflusst die Corona-Pandemie sportliche Wettkämpfe und den Laufsport insgesamt?
Viele Wettkämpfe, auf die man sich schon im Vorjahr gefreut oder sogar trainiert hatte, konnten leider nicht stattfinden, was für viele demotivierend war. Ich denke, dass viele weniger trainiert haben, als sie es unter normalen Umständen getan hätten. Aber gerade zu Beginn der Krise haben auch viele Menschen den Einstieg ins Laufen gefunden. Vielleicht wird es die nächsten Jahre dann noch mehr Teilnehmende bei den Lauf-Veranstaltungen geben…

Zu Beginn der Krise haben viele Menschen den Einstieg ins Laufen gefunden. Vielleicht wird es die nächsten Jahre dann noch mehr Teilnehmende bei den Lauf-Veranstaltungen geben.

Studentin Katharina Gips, 20 Jahre

Welche persönliche Prognose hast du für den Laufsport im Jahr 2021?
Da auch dieses Jahr schon einige Laufveranstaltungen mit Sonderregelung wieder stattfinden konnten, denke ich, dass es 2021 auch einige Läufe geben wird. Allerdings eher im kleineren Rahmen und nicht etwa mit 40.000 Teilnehmenden.

Denkst du, es wird einen Berlin Marathon 2021 geben können?
Ich würde es mir wünschen, kann mir aber leider noch nicht vorstellen, wie ein passendes Hygienekonzept für so viele Teilnehmer aussehen könnte.

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