Vor Beginn eines Spiels müssen Strategie und Taktik genau besprochen werden

Auf dem Sprung nach ganz oben

Wer in der Basketballnationalmannschaft landet, ist das Resultat gezielter Förderung

Talent ist das eine. Aber wer in einer Sportart gut werden will, muss viel trainieren. Da kommt niemand drum herum. Und wer richtig gut werden will, braucht eine Extraportion Förderung. Derzeit werden etwas weniger als 300 Mädchen und Jungen der Jahrgänge 2004 und 2005 bis 2008 vom Berliner Basketball Verband unterstützt. Das heißt, sie erhalten kostenloses zusätzliches Training, fahren zusammen auf Turniere und sie gehören zum Kader, auch Auswahl genannt, von Berlin. Nicht alle können dabei sein. Landestrainer Heiko Czach erklärt: „Es gibt zwei unterschiedliche Sichtungsansätze.“ Bei den Jungs gibt es ein Turnier. Aus den Spielern, die dabei besonders auffallen, wird dann eine Trainingsgruppe mit 50 bis 60 Jungen gebildet. Die Anzahl der Jungen wird aber im Laufe der vier Förderungsjahre reduziert. Bei den Mädchen läuft die Sichtung anders ab, da es nicht genügend Mannschaften für ein Turnier gibt. „Ich schreibe die Vereine an und frage sie, wen sie aus ihren Mannschaften bei so einem Training sehen würden“, sagt Czach. Die Landestrainer seien aber immer offen für Quereinsteiger – vor allem für große.

Die Förderung beginnt mit einem Training einmal im Monat. Auch in den Ferien gibt es Trainings oder Camps. Nach einem Jahr fahren die Kaderspieler mit ihrem Jahrgang auch auf Turniere. Während der letzten zwei Jahre der Auswahl wird sich aus dem monatlichen ein wöchentliches Training. Bei der Abschlusssichtung des Deutschen Basketball Bundes, dem sogenannten „Bundesjugendlager“, entscheidet sich, wer in die Nationalmannschaft darf.

Die Sportschule ist eine tolle Möglichkeit Talente noch mehr zu fördern

Die Jungen sind am Ende der Förderung 13 oder 14, die Mädchen 14 oder 15 Jahre alt. Für einige Spieler kann es sinnvoll sein, auf eine Sportschule zu wechseln. „Die Sportschule ist ein sehr gutes Instrument, um die Spieler zu fördern, weil da Schule und Sport Hand in Hand gehen und es natürlich nochmal zusätzliches Training gibt“, erklärt Czach. „Es gibt einen Klausur- und Prüfungsplan, der komplett auf den Jahresplan der Athleten abgestimmt ist. Zusätzlich gibt es sehr kleine Klassen und Teilungs- und Förderunterricht.“ Die Sportschule für Basketballspieler in Berlin ist das Schul- und Leistungssportzentrum (SLZB) in Hohenschönhausen. Die Oberstufe absolvieren die Schüler verpflichtend in drei Jahren, damit sie mehr Zeit für das Training und die Nationalmannschaft haben.

Auch Quereinsteiger sind herzlich willkommen

Aber Heiko Czach sagt auch, dass es nicht für alle Toptalente das Richtige ist, schon in der 7. Klasse auf die Sportschule zu wechseln. „Man muss abwägen, ob es aufgrund ihres des Schulwegs sinnvoll ist.“ Es sei zwar immer ihr Ziel, Talente frühestmöglich einzuschulen, aber manchmal solle man besser warten. „Wir halten uns auch immer nochmal Plätze für Quereinsteiger offen“, sagt Czach. So eine Quereinsteigerin ist Leoni Gallus. Sie ist 15 Jahre alt und wurde im Dezember für den Kader der U16-Nationalmannschaft gesichtet. Durch die Aktion „Größe zeigen“ ist sie zum Basketball gekommen, weil sie das größte Mädchen ihres Jahrgangs war. Seitdem trainiert sie hart: „Ich habe siebenmal in der Woche Training, dreimal davon in der Schule.“ Dadurch sind ihre Tage ziemlich voll. Das Gerücht, dass an Sportschulen der Unterricht schlechter und einfacher sei, kann sie nicht wirklich verstehen. „Es ist alles einfach ein bisschen entspannter“, sagt sie. „Aber natürlich müssen wir auch Hausaufgaben machen.“ Sie habe auch gehört, dass man am SLZB keine Arbeiten schreiben müsse, wenn man vorher auf einem Turnier war. „Das stimmt natürlich nicht! Wir müssen auch während der Turniere etwas für die Schule machen und das nachholen, was wir verpasst haben.“ Oft müssen sich Spitzensportler auf normalen Schulen irgendwann zwischen dem Sport und der Schule entscheiden. Doch ist es wirklich notwendig, auf eine Sportschule zu gehen? In den letzten Jahren hat sich zumindest herausgestellt, dass 80 bis 90 Prozent der Berliner, die Nationalmannschaft spielen oder gespielt haben, auf der Sportschule waren.

von Hannah Pieper, 14 Jahre

Kategorien Basketball Schule

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