Die regenbogenfahne – leider trauen sich viele Schwule und Lesben an Schu- len nicht, sie hochzuhalten, da sie angst vor Diskriminierung haben. Foto: DPA / Wolfgang KUmm

Die Regenbogenfahne – leider trauen sich viele Schwule und Lesben an Schulen nicht, sie hochzuhalten, da sie Angst vor Diskriminierung haben. Foto: DPA / Wolfgang Kumm

Initiativen für die Gleichbehandlung sexueller Minderheiten bemängeln zu wenig Toleranz an Schulen

 

Quizfrage: Welcher eurer Lehrer_innen ist die Kontaktperson zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt an eurer Schule? Ihr wisst es nicht? Und ihr wisst nicht einmal, dass es an jeder Schule eine solche Kontaktperson geben sollte? Ähnlich geht es vielen Berliner Schüler_innen. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Schüler_innen sind LSBTI: lesbische, schwule, bi*-, trans* oder inter* Menschen. An kaum einer Schule sind sie aber als solche bekannt. Das liegt einerseits daran, dass viele von ihnen sich erst spät ihrer Sexualität bewusst werden, andererseits wird das Thema aber auch totgeschwiegen oder nur in Form von Schulhofbeleidigungen („Das ist ja schwul.“, „Du benimmst dich wie ein Mädchen.“) überhaupt erwähnt.

 

Darunter leiden nicht nur Schüler_innen, sondern auch LSBTI- Lehrer_innen. „Würden Sie sich outen?“, fragte Conny Kempe-Schälicke am Dienstag bei der Veranstaltung „… und das ist auch gut so! Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt an der Schule“ der Friedrich-Ebert-Stiftung ins Publikum – es kam keine Antwort. Mehrere Vereine, Initiativen, Wissenschaftler und vor allem Lehrer hatten sich getroffen, um über die Probleme zu diskutieren, die es an Schulen im Zusammenhang mit sexueller und geschlechtlicher Selbstbestimmung gibt. Kempe-Schälicke ist Lehrerin am Lise-Meitner-Oberstufenzentrum und außerdem eine der Verantwortlichen für die „Initiative Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ (ISV) von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Die ISV setzt sich dafür ein, das Thema sichtbarer zu machen – denn der Kindergarten und die Schule bieten eine Chance, Diversität schon von Beginn an als etwas ganz Normales zu vermitteln – falls das nicht schon im Elternhaus getan wird.

 

„Momentan wird in der Schule eine heteronormative Logik produziert“, sagt Kempe-Schälicke. Das heißt: Es wird erst einmal davon ausgegangen, dass alle hetero sind. In den Rahmenplänen ist das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zwar sogar fest verankert. Doch viele Lehrer_innen wissen davon nichts, oder sie haben keine Zeit, es im Unterricht unterzubringen. Denn, wie eine Lehrerin bemerkte, die an der Veranstaltung teilnahm: „Wir sind ja nicht die Einzigen, die ein wichtiges Thema haben, mit dem sich Schüler_innen beschäftigen sollten.“

 

Wer als Lehrer_in aber mit seinen Schülern über Diversität sprechen möchte, für den gibt es Materialien und Literatur zur Genüge, Webseiten wie Queerhistory.de bieten Projekttage an, an denen sich Schüler in einer Kiezführung mit der Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung in Berlin beschäftigen können. In der Veranstaltung kam man zu dem Konsens, dass schon kleine Schritte etwas bewirken können – verstärkte Interventionen der Lehrkräfte bei homophoben Beschimpfungen etwa, Outings der Lehrer_innen, Plakate mit den Kontaktadressen von LSBTI-Vereinen oder ein Briefkasten für die jeweilige Diversity-Kontaktperson – damit man hoffentlich bald weiß, an wen man sich wenden kann.

 

Von Josephine Valeske, 17 Jahre und Julia Schattauer, 23 Jahre