Bis Freitag „besetzen“ neugierige Nachwuchsstudenten die Hörsäle der Freien Universität. Es findet wieder die Schüleruni statt.

Wir schreiben das Jahr 2082. Forscher auf der ganzen Welt haben während der vergangenen Jahrzehnte intensiv an der Entwicklung von Nahrungsmittel-Druckern und neuartigen Speisen wie Molekül-Drinks getüftelt. Denn Lebensmittel sind knapp, seit die Weltbevölkerung auf mehr als neun Milliarden Menschen angewachsen ist.

In genau dieses Szenario denkt sich am morgigen Dienstag eine Gruppe wissbegieriger Schüler hinein. In einem vierstündigen Workshop gehen sie der Frage nach, wie unser Speiseplan der Zukunft aussehen könnte. Nehmen wir schon bald Hightech-Gerichte zu uns oder gehen wir wieder zur Selbstversorgung über? Und wie können wir es schaffen, dass sich die Menschheit gesund und ausgewogen ernährt, ohne dabei die ohnehin schon knappen Ressourcen zu erschöpfen?

Die Veranstaltung mit dem Titel „Mehlwurmburger und vegane Eier – Wie sieht Dein Speiseplan der Zukunft aus?“ ist Teil des Programms der Schüleruni Nachhaltigkeit und Klimaschutz, die in dieser Woche an der Freien Universität veranstaltet wird.

Zweimal pro Jahr, wenn die Studenten die vorlesungsfreie Zeit für das Verfassen von Hausarbeiten nutzen oder um die Welt zu erkunden, öffnet die Universität ihren Campus für Berliner Schüler der 5. und 6. Klassenstufen. Mehr als 1 600 10- bis 13-Jährige von 51 Schulen haben sich für diese Woche angekündigt. Geboten werden ihnen 81 Mitmachveranstaltungen zu den Themenfeldern Konsum und Lebensstil, biologische Vielfalt, Mobilität, Klimawandel und Energie sowie Ernährung. Der Workshop zum Speiseplan der Zukunft ist neu im Programm, genauso wie jener mit dem Titel „Wasserkrise auf dem Feld“, der verschiedene Bewässerungstechniken untersucht.

Doch bei der Schüleruni wird nicht nur informiert, sondern auch selbst ausprobiert. „Die Schüler entdecken mit Forscheraufträgen, dass es jetzt schon viele kluge Lösungen und Handlungsalternativen gibt, wie wir unsere Welt nachhaltig und zukunftsfähig gestalten können“, erklärt Karola Braun-Wanke, Projektleiterin der Schüleruni vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU). „Sie lernen komplexe Zusammenhänge und Hintergründe zu den Themen Ressourcenschutz und Biodiversität kennen und entwickeln Lösungen für den Alltag.“

Durchgeführt werden die Workshops von Wissenschaftlern, Theatermachern, Energie- und Bildungsexperten, Künstlern sowie Autoren. Aus verschiedenen Blickwinkeln lehren sie den Schülern die Vorteile der erneuerbaren Energien, experimentieren mit ihnen zu Sonne, Biomasse, Wasser- und Windkraft und zeigen auf, wie einfach es ist, sich im Alltag klimafreundlich zu verhalten. Im Workshop „Schatztruhe Mülltonne“ etwa geht es darum, herauszufinden, wie die 3,5 Tonnen Müll, die täglich weltweit weggeworfen werden, durch Recycling weiter genutzt werden können.

„Wir wollen Nachhaltigkeit mit Kopf, Herz und Hand erlebbar machen“, so Braun-Wanke. „Künftige Generationen werden die Folgen des Klimawandels stärker als wir spüren. Sie sollten früh erfahren, dass wir dem nicht ohnmächtig ausgeliefert sind.“

Patrick Schmitt, 19 Jahre